Anmerkungen des übersetzer

Geschichten Des Hitopadesha

Es ist unser Anliegen, Kinder auf der ganzen Welt mit der indischen Literatur und Kultur bekannt zu machen. Bilderbuch-Geschichten sind dafuer sicherlich ein geeignetes Mittel.

Hitopadesha Classic - Guter Rat - ist ein Sanskrit-Klassiker, der von Tieren handelt: wie sie denken, fuehlen und handeln - ganz wie menschliche Wesen. Die Geschichten wurden urspruenglich um das Jahr 1675 n.Chr. von Sri Narayana Pandit geschrieben. Wir haben das authentische Sanskrit-Manuskript vom Bhandarkar Oriental Research Institute zugrunde gelegt.

In den Geschichten des Hitopadesha, haben wir 29 Erzaehlungen aus dem oben genannten "Hitopadesha Classic" ausgewaehlt; diese wurden an die Interessen von Kindern angepasst. Wir haben versucht, die Geschichten in eine spannende und einfache Form zu bringen, waehrend gleichzeitig jede Anstrengung unternommen wurde, moeglichst nah am Sanskrit-Text zu bleiben.

Die Marathi-Version konnten wir bereits veroeffentlichen, wofuer wir Herrn Prof. Dr. S.B. Hudlikar (Heidelberg, Deutschland) zu Dank verpflichtet sind.

Wir haben die Geschichten des Hitopadesha' für Kinder ins Englische, Deutsche und Indonesische uebersetzt. Wir werden sie des Weiteren ins Franzoesische und in andere europaeische und asiatische Sprachen uebersetzen, inklusive aller indischen Sprachen. Jede Geschichte hat eine Moral. Wir hoffen, dass Kinder die Erzaehlungen faszinierend finden und von ihnen profitieren werden.

Geschichten des Hitopadesha: Englische Version: Uebersetzt und adaptiert von G.L. Chandiramani unter Mithilfe von Prof. Dr. S.B. Hudlikar (Heidelberg, Deutschland).
Ueberarbeitet von Sylvia Gidley, B.A. (Wales, U.K.)

Geschichten des Hitopadesha: Deutsche Version: Uebersetzt aus der englischen Version von G.L. Chandiramani.
Ueberarbeitet von Ulrike Dorfmueller, B.A. (Hamburg, Germany)

Geschichten des Hitopadesha: Indonesische Version: Uebersetzt aus der englischen Version von Jyoti Daryanani und G.L. Chandiramani.

Ueberarbeitet von Hidayat.
Wir sind daran interessiert, die "Geschichten des Hitopadesha" in den verschiedenen Sprachen Indiens und der Welt herauszubringen.
Senden Sie uns die uebersetzte Version per Diskette oder CD und wir kuemmern uns um den Rest.

Für Panchatantra Classic, Hitopadesha Classic, Geschichten des Hitopadesha und Chandiramanis Serie Musik Indiens kontaktieren Sie bitte:

mrchandiramani@yahoo.com

Weitere Arbeiten von G.L. Chandiramani

Panchatantra Classic auf Englisch: Urspruenglich in Sanskrit im Jahre 200 v.Chr. von Pandit Vishnu Sharma geschrieben. Uebersetzt aus dem Sanskrit-Original von G.L. Chandiramani unter Mithilfe von Prof. Dr. S.B. Hudlikar (Heidelberg, Deutschland). Ueberarbeitet von Sylvia Gidley, B.A. (Wales, U.K.). Veroeffentlichung und Vertrieb durch Rupa & Co., 15. Auflage.

Panchatantra Classic auf Deutsch: Uebersetzt aus der englischen Version von G.L. Chandiramani unter Mithilfe von Prof. Dr. S.B. Hudlikar (Heidelberg, Deutschland) und Dr. A. Karl (Oesterreich). Veröffentlicht beim Eugen Diederichs Verlag, Muenchen, Deutschland, Auflage 5000 Exemplare.

Panchatantra Classic auf Indonesisch: Uebersetzt aus der englischen Version von Jyoti Daryanani und G.L. Chandiramani. Ueberarbeitet von Sri Artaria von Dian Rakyat, Jakarta, Indonesien. Veroeffentlichung und Vertrieb durch Dian Rakyat, Jakarta, Indonesien, Auflage 5000 Exemplare.

Hitopadesha Classic auf Englisch: Hitopadesha wurde urspruenglich um das Jahr 1675 n.Chr. von Sri Narayana Pandit geschrieben. Uebersetzt aus dem Sanskrit-Original von G.L. Chandiramani unter Mithilfe von Prof. Dr. S.B. Hudlikar (Heidelberg, Deutschland). Ueberarbeitet von Dauphene Chauhan. Veroeffentlichung und Vertrieb durch Jaico Publishing House, Mumbai, Indien, 5. Auflage.

Musik: Chandiramanis Serie Musik Indiens: 16 Kassetten und CDs erhaeltlich bei Crescendo Music Pvt. Ltd. Diese Serie behandelt alle Aspekte indischer Musik, etwa Bhajans (Lobgesaenge), Ghazals (Liebeslieder), Thumris (Light Vocal Classic), klassische Gesaenge, Instrumentalmusik, Rhythmen der sieben wichtigsten indischen Trommeln und Begleit-Rhythmusinstrumente.

Produziert von Chandiramani Enterprises, Mumbai, India. Fuer Panchatantra Classic, Hitopadesha Classic, Geschichten des Hitopadesha und Chandiramanis Serie Musik Indiens kontaktieren Sie bitte:

mrchandiramani@yahoo.com

INHALT

TEIL -I

1) Die Geschichte von einer Krähe, einem Jäger, Einigen Tauben und einer Maus

2) Die Geschichte von einem alten Tiger Und einem gierigen Reisenden

3) Die Geschichte von einer Krähe, Einem Hirschen und einem Schakal

4) Die Geschichte Von Einem Geier, Einigen Vogeln Und Einer Katze

5) Die Geschichte von einer reichen Maus Und einem heiligen Mannes

6) Die Geschichte von einem Jäger, einem Hirschen, Einem Schwan, einer Schlange und einem Schakal

7) Die Geschichte von einem Elefanten Und einem schlauen alten Schakal

8) Die Geschichte von einem Affen, Der einen Keil herauszog

9) Die Geschichte von einem Dhobi, Einem Esel und einem Hund

10) Die Geschichte von einem Löwen, Einer Maus und einer Katze

11) Die Geschichte von einer Gruppe Affen, Einer Glocke und einer tapferen Frau

12) Die Geschichte von einer Krähenfamilie Und einer bösen Kobra

13) Die Geschichte von einem Löwen Und einem Hasen

14) Die Geschichte von den Tittibha-Vögeln Und dem Meer

15) Die Geschichte von den Vögeln Und den zitternden Affen



TEIL -II

16) Die Geschichte von einem Dhobi Und einem unglücklichen Esel

17) Die Geschichte von den Hasen, einem See Und dem Mondgott

18) Die Geschichte von einem gutherzigen Reiher Und einer bösen Krähe

19) Die Geschichte von einer schlauen Krähe Und einer dummen Wachtel

20) Die Geschichte von einem Schakal, Der in einen Kübel fiel

21) Die Geschichte von zwei Schwänen Und einer Schildkröte

22) Die Geschichte der drei Fischer

23) Die Geschichte von einem dummen Reiher, Einer schwarzen Schlange und einem Mungo

24) Die Geschichte von einem Weisen Und einer Maus

25) Die Geschichte von einem gierigen Kranich Und einem klugen Krebs

26) Die Geschichte von einem einfältigen Brahmanen Und drei Schurken

27) Die Geschichte von einem Löwen, einer Krähe, Einem Tiger, einem Schakal und einem Kamel

28) Die Geschichte von einer bösen Schlange Und dem dummen König der Frösche

29) Die Geschichte von einem voreiligen Brahmanen Und einem treuen Mungo



1. DIE GESCHICHTE VON EINER KRÄHE, EINEM JÄGER, EINIGEN TAUBEN UND EINER MAUS


Am Ufer des Flusses Godawari stand ein riesiger Baum. Nachts kamen die Vögel aus allen Gegenden dorthin, um darin zu übernachten.

Einmal in der Morgendämmerung, als der Mond hinter den Bergen im Westen unterging, erwachte eine Krähe und sah einen Jäger auf den Baum zukommen. Er sah aus wie Yama, der Gott des Todes.

Als die Krähe ihn sah, war sie außer sich und dachte bei sich: "Das sieht schlimm aus. Das gefällt mir gar nicht".

Nachdem sie so gedacht hatte, begann sie, dem Jäger zu folgen.

Nach einiger Zeit blieb der Jäger stehen und sah sich um. Er nahm einige Reiskörner aus einem Beutel, verstreute sie auf dem Boden und breitete sein Netz über den Körnern aus.

Nachdem er dies getan hatte, versteckte er sich hinter einem Baum.

Genau zu dieser Zeit flog der König der Tauben mit seinem Gefolge umher, auf der Suche nach Futter.

Als er die Körner sah, sagte er zu seinen Anhängern: "Wie seltsam! Reiskörner in einem unbewohnten Wald? Lasst uns sehen, was es damit auf sich hat. Die Sache kommt mir verdächtig vor."

Aber die gierigen Tauben hörten nicht auf den Rat ihres Königs und flogen hinab, um die Reiskörner zu fressen.

Im Nu waren sie alle in dem Netz gefangen.

Ein schrecklicher Lärm entstand unter den gefangenen Tauben.

Da rief der König der Tauben aus: "Freunde, wir sind in großer Gefahr.

Wenn wir uns nicht sogleich vereinen und einen Plan ausdenken, um uns zu befreien, werden wir sicher alle sterben. Ich schlage vor, dass wir alle gemeinsam des Netz festhalten und zusammen auffliegen."

Die Tauben stimmten zu. Sie hielten das Netz fest und flogen gemeinsam damit fort.

Als der Jäger dies sah, war er wie erstarrt und wusste nicht, was er tun sollte.

Aber bald sammelte er sich wieder und begann, den Tauben nachzulaufen.

Er dachte bei sich: "Diese Vögel haben es geschafft zu fliehen, weil sie sich vereint haben, aber wenn sie wieder am Boden landen, dann werde ich sie alle in meine Gewalt bringen."

Aber die Vögel flogen sehr schnell und waren bald nicht mehr zu sehen.

Dann fragten sie ihren König: "Was sollen wir jetzt tun?"

"Ich habe eine sehr liebe Freundin," sagte er, "eine Maus, die am Ufer des Flusses Godawari lebt. Wir werden zu ihr fliegen. Ich weiß, dass sie einen Weg finden wird, uns zu befreien."

Also flogen sie zu dem Ort, wo die Maus lebte. Als die Maus sie alle auf sich zufliegen sah, fürchtete sie sich sehr und rannte in ihr Loch am Fuße eines Baumes.

Aber der König der Tauben rief: "Meine Freundin, erkennst du mich nicht? Komm heraus und befreie uns alle!"

Als die Maus dies hörte, erkannte sie die Stimme ihres Freundes und kam schnell heraus.

Der König der Tauben erzählte ihr alles, was geschehen war, und die Maus fing schnell an, die Schnüre des Netzes durchzubeißen und befreite die Vögel.

Die Krähe, die hinterhergeflogen war und alles von einem Baum in der Nähe aus beobachtet hatte, war voller Bewunderung für ihre Freundschaft und sagte zu sich: "Es ist wahr, was man sagt: Ein Freund in der Not ist ein echter Freund".



2. DIE GESCHICHTE VON EINEM ALTEN TIGER UND EINEM GIERIGEN REISENDEN


Es war einmal ein Tiger, der so alt geworden war, dass er kaum noch jagen konnte. So ersann er einen Plan.


Eines schönen Morgens stand er auf einer Insel in einem See, hielt einen Halm des heiligen Kuscha Grases in der einen Pfote und ein Goldarmband in der anderen und rief laut: "Sehen sie her, meine Damen und Herren! Ein Goldarmband! Wie viel bieten Sie dafür?"

Einem Reisender, der zufällig vorbeikam, gefiel das Goldarmband

Er blieb stehen und dachte bei sich: "Dies hier scheint wirklich ein Glücksfall zu sein. Doch solange ein Risiko besteht, muss man vorsichtig sein. Also werde ich Acht geben."

Darauf sagte der Reisende zum Tiger: "Wo ist dieses Goldarmband?"

Der Tiger öffnete seine Pfote und zeigte es ihm. "Aber wie kann ich dir vertrauen," fragte der Mann, "wo ich doch weiß, dass du ein Tiger bist?"

"Hör zu, Reisender" sagte der Tiger, "ich gebe zu, dass ich in meiner Jugend böse war und viele Kühe und Menschen getötet habe. Meine Frau und Kinder starben wegen meiner bösen Taten.

Dann suchte ich einen heiligen Mann auf, der mir riet, Almosen zu geben. Heute nehme ich jeden Tag ein reinigendes Bad und gebe wohltätige Gaben.

Überdies bin ich alt geworden. Meine Zähne und Klauen sind mir ausgefallen. Also was hast du von mir zu befürchten?"

Der Reisende ließ sich von dieser klugen Rede täuschen und trat in den See, blieb aber in dem tiefen Schlamm stecken.

Als der Tiger dies sah, tröstete er den Reisenden: "Oh, mach dir keine Sorgen, ich werde dir helfen" sagte er, näherte sich langsam dem Reisenden und packte ihn plötzlich.

Während er zum Ufer geschleppt wurde, stieß der arme Mann hervor:

"Ach, diese trügerische Rede von Heiligkeit hat mich vollkommen getäuscht! Ein Schurke wird immer ein Schurke bleiben. Ich war ein Narr, ihm zu glauben und jetzt muss ich dafür bezahlen."

Kurz darauf tötete der Tiger den Reisenden und fraß ihn auf. Der Reisende hätte wissen müssen, dass sich die Natur eines Menschen niemals ändert.



3. DIE GESCHICHTE VON EINER KRÄHE, EINEM HIRSCHEN UND EINEM SCHAKAL


In einem großen Wald lebten ein Hirsch und eine Krähe. Sie waren gute Freunde. Der Hirsch war dick geworden und wanderte ohne irgendeine Sorge in der Welt im Wald umher.]

Eines Tages erblickte ein Schakal den kleinen dicken Hirschen.

"Hmmm," sagte sich der Schakal, "was für eine wohlschmeckende Speise das zarte Fleisch dieses jungen Hirschen für mich abgeben wird! Gut, zuerst werde ich versuchen, sein Vertrauen zu gewinnen."


Der Schakal dachte nach und näherte sich dem Hirschen.

"Hallo," sagte der Schakal, "wie geht es dir?"

"Wer bist du?" fragte der Hirsch.

"Ich bin ein Schakal und ich lebe hier in diesem Wald ganz allein. Ich habe keine Freunde. Nun, da ich dich getroffen habe, möchte ich dein Freund sein, und ich werde alles tun, was du sagst, um dir zu gefallen."

"Also gut, einverstanden," sagte der Hirsch.

Später, als die Sonne untergegangen war, gingen die beiden zum Zuhause des Hirschen. Die Freundin des Hirschen, die Krähe, lebte in der Nähe auf dem Zweig eines Baumes.

Als sie den Schakal sah, rief sie: "Freund Hirsch! Wer ist das, der mit dir gekommen ist?"

"Es ist ein Schakal, und er möchte unser Freund sein, und so ist er mit mir gekommen," sagte der Hirsch.

"Denkst du, es ist klug, sich mit jemandem so schnell zu befreunden, über den du nichts weißt?" sagte die Krähe.

"Du weißt nicht, wie seine Familie ist, oder was er für einen Charakter hat. Wie kannst du ihn in dein Haus einladen, ohne all das zu wissen?"

"Krähe!" rief der Schakal zornig, "als du den Hirsch zum ersten Mal trafst, wusstest du irgendetwas über ihn, seine Familie oder sein Benehmen? Warum seid ihr dann heute so gute Freunde?"

"Oh bitte, lasst uns nicht streiten", sagte der Hirsch. "Lasst uns alle Freunde sein. Man kann nur am Verhalten erkennen, wer ein Freund ist und wer ein Feind."

"Na gut," sagte die Krähe, "wie du willst." Und so begannen sie alle zusammenzuleben.

So verging die Zeit.

Eines Tages nahm der Schakal den Hirsch beiseite und sagte ihm: "Freund! In einem anderen Teil des Waldes gibt es ein Kornfeld. Ich werde dich dort hinführen und es dir zeigen."

Der Schakal nahm den Hirschen mit und zeigte ihm das Feld. Der Hirsch begann, jeden Tag dorthin zu gehen und nach Herzenslust zu fressen.

Als der Besitzer des Feldes bemerkte, dass irgendein Tier sein Korn fraß, stellte er eine Falle auf und der Hirsch wurde gefangen.

"Oh nein! Jetzt muss ich mich ganz auf meinen Freund verlassen. Er wird mich sicher aus dieser Falle befreien," dachte der Hirsch bei sich.

In der Zwischenzeit kam der Schakal hinzu und dachte bei sich: "Genau darauf habe ich gewartet. Wenn er vom Besitzer des Feldes getötet wird, werde ich mich viele viele Tage an seinem Fleisch satt fressen können."

Als der Hirsch den Schakal erblickte, rief er: "Oh Freund, bitte hilf mir! Nur ein Freund wie du kann mich aus solch einer schrecklichen Notlage befreien."

"Aber Kumpel," sagte der Schakal, "diese Schlinge ist aus Leder, also wie könnte ich sie heute, an meinem Fastentag, berühren? Bitte versteh mich nicht falsch.

Ich werde sie gleich morgen früh durchbeißen."

Als die Sonne unterging und der Hirsch noch nicht zurückgekommen war, begann die Krähe sich Sorgen zu machen.

Sie machte sich auf, um nach ihm zu suchen, bis sie das Kornfeld erreichte. Plötzlich entdeckte sie ihn. "Freund Hirsch, was ist dir geschehen?" fragte die Krähe traurig.

"Das passiert, wenn man den Rat eines Freundes in den Wind schlägt," antwortete der Hirsch. Und dann erzählte er der Krähe, wie der Schakal ihm das Kornfeld gezeigt hatte, um ihn in die Falle zu locken.

"Wo ist dieser Schurke?" fragte die Krähe zornig.

"Er versteckt sich irgendwo in der Nähe und wartet auf eine Gelegenheit, mich zu töten und zu fressen," antwortete der Hirsch.

"Ich hatte dich gewarnt, nie einem Fremden zu vertrauen, aber du hast nicht auf mich gehört" sagte die Krähe.

Dann seufzte die Krähe und rief: "Schakal! Betrüger! Schurke! Was hast du getan? Wie konntest du jemanden betrügen, der dir vertraute?

Ach, wenn man sich mit einem Schurken befreundet, wird man immer dafür bezahlen."

Die Krähe beschloss, da zu bleiben und dem Freund Gesellschaft zu leisten.

Am Morgen kam der Bauer mit einem Stock in der Hand zurück.

Als die Krähe ihn kommen sah, sagte sie zum Hirschen: "Schnell, tu was ich dir sage! Leg dich still hin, ohne dich zu bewegen, und tu so, als ob du tot seiest.

Wenn ich krächze, spring auf und renn um dein Leben."

Der Hirsch legte sich regungslos hin und stellte sich tot.

Als der Bauer sehr nahe an den Hirsch herankam, hellte sich sein Gesicht auf und er sagte bei sich: "Wie gut! Der Hirsch ist schon tot."

Dann befreite er ihn und begann, die Schlinge zu lösen. Genau in diesem Moment gab die Krähe dem Hirsch das Zeichen und dieser sprang auf und rannte davon, so schnell er konnte.

Der überraschte Bauer zielte sofort mit dem Stock nach dem Hirschen, verfehlte ihn jedoch. Stattdessen traf er den Schakal, der sich in der Nähe versteckt hatte, und tötete ihn auf der Stelle.

Der Hirsch lernte, dass es besser sei, einen offenen Feind als einen falschen Freund zu haben.



4. DIE GESCHICHTE VON EINEM GEIER, EINIGEN VÖGELN UND EINER KATZE


Es war einmal ein Hügel, der sich zum Ufer eines Flusses hinunter neigte. Am Fuße dieses Hügels wuchs ein Baum und im dem hohlen Loch dieses Baumes lebte ein alter blinder Geier.


Viele andere Vögel lebten ebenfalls auf dem gleichen Baum und aus Mitleid teilten sie jeden Tag ihr Fressen mit dem Geier. Dafür kümmerte er sich um ihre Jungen, wenn sie fort waren.

Eines Tages kam eine Katze zum Baumloch in der Hoffnung, die Vogelkinder zu fangen und aufzufressen.

Als aber die kleinen Vögel sie kommen sahen, machten sie großen Lärm. Der blinde Geier hörte diesen Lärm und rief: "Wer ist da?"

Als die Katze den Geier sah, erschrak sie sehr und dachte bei sich: "Oh Himmel! Ich bin so gut wie tot! Aber ich muss tapfer sein und der Gefahr ins Auge blicken. Ich muss versuchen, sein Vertrauen zu gewinnen."

"Ich... ich... ich bin nur gekommen, um Euch zu grüßen, oh Weiser!" sagte die Katze laut.

"Wer bist du?" fragte der Geier.

"Ich bin nur eine arme Katze" antwortete sie.

"Geh weg von hier, sonst werde ich dich fressen," rief der Geier.

"Mein Herr, hört mich erst an," sagte die Katze, "nachher könnt Ihr mich töten. Aber tötet Ihr wirklich jemanden, nur weil er zu einer bestimmten Rasse gehört?"

"Gut", antwortete der Geier, "ich bin bereit, dir zuzuhören. Aber sage mir, warum du hierher gekommen bist."

"Ich lebe hier in der Nähe am Ufer des Flusses Ganges", sagte die Katze. "Ich esse kein Fleisch. Ich nehme jeden Tag ein Bad im Fluss und tue Buße für meine Sünden.

Als die Vögel in der Gegend dies erfuhren, sagten sie zu mir: ‚Du musst mehr über Religion lernen von dem alten Geier, der für seine Kenntnis und Weisheit bekannt ist'."

Die Katze fuhr fort: "Alle lobten Euch. Darum bin ich hierher gekommen, um Euch meinen Respekt zu bezeugen. Aber was muss ich sehen? Dass Ihr bereit seid, mich, eine arme Katze, zu töten.

Ihr solltet mich so gut behandeln, wie man einen Gast behandeln soll. Wenn Ihr mir schon nichts zu Fressen anbietet, so sagt mir zumindest etwas Gütiges."

"Aber du frisst Fleisch, und die jungen Vögel leben hier. Wie könnte ich dir vertrauen?" fragte der alte blinde Geier.

Die Katze berührte den Boden und ihre Ohren als Zeichen ihrer Aufrichtigkeit und sagte: "Ich habe alle religiösen Bücher gelesen und gelernt, dass Töten Unrecht ist.

Der ganze Wald ist voll von Kräutern und Gemüse. Also warum sollte ich die Vögel töten und dabei sündigen?"

Auf diese Weise gewann die Katze das Vertrauen des alten blinden Geiers, der ihr erlaubte, in dem Baumloch zu wohnen.

Und wie die Tage so vorbei gingen, begann die schlaue Katze, die jungen Vögel einen nach dem anderen zu fressen, und der blinde Geier wusste nicht, was vor sich ging.

Aber die Vögel sahen, dass ihre Jungen verschwunden waren und suchten nach ihnen.

Als die Katze begriff, dass sie nicht weiter betrügen konnte, schlich sie sich leise davon.

Nach einigen Tagen fanden die Vögel die Knochen der Jungen nicht weit vom Baum entfernt.

"Ha!" sagten die Vögel. "Dieser alte blinde Geier hat unsere lieben Jungen gefressen!"

Die Vögel versammelten sich und töteten den Geier.

Ein Schurke wie eine Katze wird immer ein Schurke bleiben.



5. DIE GESCHICHTE VON EINER REICHEN MAUS UND EINEM HEILIGEN MANNES


Einmal lebte ein heiliger Mann in einer Stadt namens Champaka. Er bettelte um Almosen und verdiente so seinen Lebensunterhalt.

Er aß ein wenig und legte den Rest in eine Bettelschale, die er hoch oben an einem Haken in der Wand aufgehängt hatte.

Eine Maus, die dies beobachtet hatte, sprang hoch und fraß regelmäßig von dem Essen in der Bettelschale.

Eines Tages kam ein Freund des heiligen Mannes zu Besuch. Der heilige Mann hieß ihn willkommen und bot ihm Essen an. Danach zogen sich die beiden Freunde zurück, um sich zu unterhalten


Aber der heilige Mann konnte sich nicht auf die Unterhaltung konzentrieren und schlug unaufhörlich mit einem Bambusstock auf den Boden, um die Maus fernzuhalten.

Sein Freund beobachtete dies und fragte: " Was machst du da? Warum hörst du mir nicht aufmerksam zu?"

"Oh bitte verzeih' mir!", rief der heilige Mann. "Es ist nur diese schreckliche Maus. Jeden Tag frisst sie mir weg, was auch immer ich sammeln konnte."

Sein Freund sah in die Richtung der Bettelschale und fragte: "Aber wie kann eine Maus so hoch springen? Es muss einen Grund dafür geben, warum die Maus das schafft."

Der Freund des heiligen Mannes überlegte eine Weile und sagte dann: "Es kann nur einen Grund dafür geben. Die Maus muss sehr viel Futter zur Seite gelegt haben.

Dass sie so viel Futter hat, gibt ihr die außerordentliche Kraft, so hoch zu springen."

Sie begannen, den Futterschatz zu suchen, den die Maus angesammelt hatte. Als sie ihn endlich fanden, gruben sie ihn aus und nahmen ihn weg.

Als die Maus zurückkam und sah, dass ihr Futterschatz weg war, war sie völlig entmutigt. Sie verlor all ihren Schwung, so dass sie sich nicht einmal mehr bewegen konnte.

Und so war der heilige Mann seine Sorge los geworden, sein Essen in der Bettelschale zu bewachen.

Es ist klug, die Kraftquelle des Feindes trockenzulegen, um ihn zu vernichten.



6. DIE GESCHICHTE VON EINEM JÄGER, EINEM HIRSCHEN, EINEM SCHWAN, EINER SCHLANGE UND EINEM SCHAKAL


In einem Wald lebte einst ein Jäger.

Eines schönen Morgens zog er aus in der Hoffnung, einen Hirsch zu erlegen. Das Glück war auf seiner Seite und er tötete einen Hirsch, warf ihn über seine Schulter und brach des Abends nachhause auf.

Auf dem Weg traf er ein fettes Schwein.

Als der Jäger das Schwein sah, warf er den Hirsch schnell zu Boden und schoss mit einem Pfeil auf das Schwein.

Das Schwein grunzte schrecklich und griff den Jäger mit voller Kraft an. Es traf ihn hart in den Magen und tötete den Jäger auf der Stelle.


Das Schwein, das im Kampf verletzt worden war, starb ebenfalls.

Während des Kampfes wurde eine Schlange, die zufällig vorbeikam, niedergetrampelt und getötet.

Später kam ein Schakal dorthin und suchte nach Futter.

Als er den Jäger, das Schwein, den Hirsch und die Schlange tot da liegen sah, war er entzückt und dachte bei sich: ‚Ah, was für ein Glück! Es scheint, als ob ich ein Festmahl einnehmen könnte, aber ich werde immer nur ein wenig davon essen, so dass ich länger etwas davon habe.

Dann hob der Schakal den Bogen vom Boden auf und begann, die Schnur durchzubeißen.

Plötzlich riss die Schnur, der Bogen zerbrach und durchbohrte das Herz des Schakals. Der Schakal war auf der Stelle tot.

All das zeigt, dass Gier schlimme Folgen haben kann.



7. DIE GESCHICHTE VON EINEM ELEFANTEN UND EINEM SCHLAUEN ALTEN SCHAKAL


Einmal lebte in einem dichten Wald ein Elefant.

Ein Rudel Schakale, das auf der Suche nach Futter vorbeikam, bemerkte den Elefanten.

"Wenn dieser Elefant irgendwie sterben würde", sagten sie bei sich, "hätten wir genügend zu fressen für viele Monate."

Ein alter Schakal sagte: "Ich werde eine List ersinnen, um ihn zu töten."


Der schlaue alte Schakal näherte sich dem Elefanten, verbeugte sich vor ihm und sagte: "Mein Herr! Gewähren Sie mir einen Moment lang die Ehre ihres königlichen Blicks."

"Wer bist du und warum bist du zu mir gekommen?", fragte der Elefant.

"Ich bin nur ein einfacher Schakal," erwiderte er. "Neulich versammelten sich alle Tiere dieses Waldes und sie kamen zu dem Schluss, dass es schwierig sei, ohne den Schutz eines Königs zu leben.

Und Sie, der alle Qualitäten eines Königs besitzt, sind von uns als unser König auserwählt worden.

Unsere Sterndeuter haben uns gesagt, dass heute ein günstiger Tag für Ihre Krönung sei. Der Tag geht schnell vorüber.

Also folgen Sie mir bitte ohne Umschweife um die Zeremonie zu vollführen.

Dann ging der Schakal langsam voran.

Der Elefant war von den Worten des Schakals geschmeichelt und folgte dem Schakal, weil er gierig auf ein Königreich war.

Der Schakal ging durch einen Teich, der voller Schlamm war.

Da der Elefant schwer war, begann er, im Schlamm zu versinken. Er versuchte, heraus zu kommen, aber umsonst.

"Freund", rief der Elefant voller Entsetzen, "was soll ich tun? Ich versinke im Schlamm! Ich werde sterben!"

"Mein Herr, fassen Sie meinen Schwanz und ich werde Ihnen helfen, heraus zu kommen", sagte der Schakal mit einem listigen Lächeln. "Sie vertrauten einer Person wie mir. Gut, nun - bezahlen Sie dafür!"

Dann beobachtete er den Elefanten, wie er im Schlamm versank. Bald war der Elefant tot und wurde von den Schakalen gefressen.

Ein wirklich kluger Elefant wäre nie auf die süßen Worte eines Schurken hereingefallen.



8. DIE GESCHICHTE VON EINEM AFFEN, DER EINEN KEIL HERAUSZOG


Einmal entschied ein Schreiber, in seiner Stadt einen Tempel zu bauen.


Während der Bauarbeiten sägte ein Zimmermann einen Baumstamm entzwei, steckte einen Keil in die Mitte, so dass die beiden Hälften getrennt blieben, und ging zum Mittagessen.

Nun geschah es, dass eine Truppe wandernder Affen zu diesem Platz kam und um den Baumstamm herum zu spielen begannen.

Einer der Affen saß auf dem halbgespaltenen Holzklotz, legte seine Beine in die Lücke und versuchte, den Keil herauszuziehen.

Plötzlich kam der Keil heraus, der Spalt schloss sich und zerquetschte die Beine des Affen.

Der Affe starb unter großen Schmerzen. Zu spät wurde ihm klar, dass man seine Nase nicht in anderer Leute Angelegenheiten steckt.



9. DIE GESCHICHTE VON EINEM DHOBI, EINEM ESEL UND EINEM HUND


Einmal lebte ein Dhobi* in einer Stadt namens Varanasi.

Eines Nachts, während er fest schlief, drang ein Dieb in das Haus ein, um alles zu stehlen, was ihm in die Finger geraten würde.

In einer Ecke des Hofes stand der Esel des Dhobis, mit einem Seil angebunden, und ein Hund saß in der Nähe.


Als der Esel den Dieb ins Haus eindringen sah, sagte er zu dem Hund: "Freund! Es ist sicher deine Aufgabe, den Meister aufzuwecken."

"Sprich mir nicht von meinen Pflichten!", antwortete der Hund zornig. "Du weißt wohl, dass ich dieses Haus seit langem gut bewacht habe. Und der Meister brauchte sich um nichts Sorgen zu machen.

Aber in letzter Zeit hat er mich nicht gut genug gefüttert, also kümmert es mich nicht, was ihm widerfährt."

"Hör zu, du Narr!", schrie der Esel. "Dies ist sicher nicht der rechte Moment, zu klagen. Dies ist der Moment, zu handeln. Tu etwas! Weck den Meister auf, schnell!"

"Nein!", rief der Hund. "Jetzt zahle ich ihm zurück, dass er sich um seine Diener nur kümmert, wenn er ihre Hilfe braucht."

"Du böses Geschöpf!", schrie der Esel. "Du vernachlässigst deine Pflicht gerade dann, wenn du am meisten gebraucht wirst. Nun, ich werde deine Pflicht tun und den Meister aufwecken."

Dann schrie der Esel so laut, dass der Dhobi aufwachte. Schnell versteckte sich der Dieb.

Der Dhobi sah umher und erblickte niemanden. Er wurde sehr wütend und ergriff einen Stock, ging in den Hof und begann, den armen Esel zu prügeln.

Der Esel starb mit dem Wunsch, sich nicht in die Angelegenheiten anderer eingemischt zu haben.



10. DIE GESCHICHTE VON EINEM LÖWEN, EINER MAUS UND EINER KATZE


In einer Berghöhle lebte einmal ein mächtiger Löwe.

Immer wenn er schlief, kam eine Maus aus der Höhle heraus und nagte an seiner Mähne.

Als der Löwe dies bemerkte, war er sehr zornig, aber er konnte nichts dagegen tun, denn die Maus lief davon, sobald der Löwe aufsprang, um sie zu fangen, und schlüpfte in ihre Mauseloch.


Der Löwe überdachte die Angelegenheit und hatte schließlich eine Idee. Er ging ins nahegelegene Dorf und brachte eine Katze mit zurück.

Er gab ihr schmackhafte Fleischstückchen zu fressen und ließ sie frei in der Höhle umherlaufen.

Als die Maus die Katze sah, fürchtete sie sich sehr und kam nicht heraus.

So konnte der Löwe in Frieden schlafen. Immer wenn er die Maus hin- und herlaufen hörte, gab er der Katze etwas zu fressen und legte sich wieder schlafen, während die Katze ihn bewachte.

Das ging eine ganze Zeit so.

Aber eines Tages war die Maus so hungrig, dass sie ihr Leben riskierte und herauskam, um Futter zu suchen. Die Katze stürzte sich sofort auf sie und tötete sie.

Als der Löwe begriff, dass die Maus tot war, wurde er nachlässig und hörte auf, die Katze zu füttern. Er ließ sie allein.

Die arme Katze wurde schwächer und schwächer und verhungerte schließlich. "Wie wahr es ist! Man wird gut behandelt, solange man nützlich ist", sagte die unglückliche Katze, bevor sie starb.

 
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