Anmerkungen des übersetzer

Geschichten Des Hitopadesha

Es ist unser Anliegen, Kinder auf der ganzen Welt mit der indischen Literatur und Kultur bekannt zu machen. Bilderbuch-Geschichten sind dafuer sicherlich ein geeignetes Mittel.

Hitopadesha Classic - Guter Rat - ist ein Sanskrit-Klassiker, der von Tieren handelt: wie sie denken, fuehlen und handeln - ganz wie menschliche Wesen. Die Geschichten wurden urspruenglich um das Jahr 1675 n.Chr. von Sri Narayana Pandit geschrieben. Wir haben das authentische Sanskrit-Manuskript vom Bhandarkar Oriental Research Institute zugrunde gelegt.

In den Geschichten des Hitopadesha, haben wir 29 Erzaehlungen aus dem oben genannten "Hitopadesha Classic" ausgewaehlt; diese wurden an die Interessen von Kindern angepasst. Wir haben versucht, die Geschichten in eine spannende und einfache Form zu bringen, waehrend gleichzeitig jede Anstrengung unternommen wurde, moeglichst nah am Sanskrit-Text zu bleiben.

Die Marathi-Version konnten wir bereits veroeffentlichen, wofuer wir Herrn Prof. Dr. S.B. Hudlikar (Heidelberg, Deutschland) zu Dank verpflichtet sind.

Wir haben die Geschichten des Hitopadesha' für Kinder ins Englische, Deutsche und Indonesische uebersetzt. Wir werden sie des Weiteren ins Franzoesische und in andere europaeische und asiatische Sprachen uebersetzen, inklusive aller indischen Sprachen. Jede Geschichte hat eine Moral. Wir hoffen, dass Kinder die Erzaehlungen faszinierend finden und von ihnen profitieren werden.

Geschichten des Hitopadesha: Englische Version: Uebersetzt und adaptiert von G.L. Chandiramani unter Mithilfe von Prof. Dr. S.B. Hudlikar (Heidelberg, Deutschland).
Ueberarbeitet von Sylvia Gidley, B.A. (Wales, U.K.)

Geschichten des Hitopadesha: Deutsche Version: Uebersetzt aus der englischen Version von G.L. Chandiramani.
Ueberarbeitet von Ulrike Dorfmueller, B.A. (Hamburg, Germany)

Geschichten des Hitopadesha: Indonesische Version: Uebersetzt aus der englischen Version von Jyoti Daryanani und G.L. Chandiramani.

Ueberarbeitet von Hidayat.
Wir sind daran interessiert, die "Geschichten des Hitopadesha" in den verschiedenen Sprachen Indiens und der Welt herauszubringen.
Senden Sie uns die uebersetzte Version per Diskette oder CD und wir kuemmern uns um den Rest.

Für Panchatantra Classic, Hitopadesha Classic, Geschichten des Hitopadesha und Chandiramanis Serie Musik Indiens kontaktieren Sie bitte:

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Weitere Arbeiten von G.L. Chandiramani

Panchatantra Classic auf Englisch: Urspruenglich in Sanskrit im Jahre 200 v.Chr. von Pandit Vishnu Sharma geschrieben. Uebersetzt aus dem Sanskrit-Original von G.L. Chandiramani unter Mithilfe von Prof. Dr. S.B. Hudlikar (Heidelberg, Deutschland). Ueberarbeitet von Sylvia Gidley, B.A. (Wales, U.K.). Veroeffentlichung und Vertrieb durch Rupa & Co., 15. Auflage.

Panchatantra Classic auf Deutsch: Uebersetzt aus der englischen Version von G.L. Chandiramani unter Mithilfe von Prof. Dr. S.B. Hudlikar (Heidelberg, Deutschland) und Dr. A. Karl (Oesterreich). Veröffentlicht beim Eugen Diederichs Verlag, Muenchen, Deutschland, Auflage 5000 Exemplare.

Panchatantra Classic auf Indonesisch: Uebersetzt aus der englischen Version von Jyoti Daryanani und G.L. Chandiramani. Ueberarbeitet von Sri Artaria von Dian Rakyat, Jakarta, Indonesien. Veroeffentlichung und Vertrieb durch Dian Rakyat, Jakarta, Indonesien, Auflage 5000 Exemplare.

Hitopadesha Classic auf Englisch: Hitopadesha wurde urspruenglich um das Jahr 1675 n.Chr. von Sri Narayana Pandit geschrieben. Uebersetzt aus dem Sanskrit-Original von G.L. Chandiramani unter Mithilfe von Prof. Dr. S.B. Hudlikar (Heidelberg, Deutschland). Ueberarbeitet von Dauphene Chauhan. Veroeffentlichung und Vertrieb durch Jaico Publishing House, Mumbai, Indien, 5. Auflage.

Musik: Chandiramanis Serie Musik Indiens: 16 Kassetten und CDs erhaeltlich bei Crescendo Music Pvt. Ltd. Diese Serie behandelt alle Aspekte indischer Musik, etwa Bhajans (Lobgesaenge), Ghazals (Liebeslieder), Thumris (Light Vocal Classic), klassische Gesaenge, Instrumentalmusik, Rhythmen der sieben wichtigsten indischen Trommeln und Begleit-Rhythmusinstrumente.

Produziert von Chandiramani Enterprises, Mumbai, India. Fuer Panchatantra Classic, Hitopadesha Classic, Geschichten des Hitopadesha und Chandiramanis Serie Musik Indiens kontaktieren Sie bitte:

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INHALT

TEIL -I

1) Die Geschichte von einer Krähe, einem Jäger, Einigen Tauben und einer Maus

2) Die Geschichte von einem alten Tiger Und einem gierigen Reisenden

3) Die Geschichte von einer Krähe, Einem Hirschen und einem Schakal

4) Die Geschichte Von Einem Geier, Einigen Vogeln Und Einer Katze

5) Die Geschichte von einer reichen Maus Und einem heiligen Mannes

6) Die Geschichte von einem Jäger, einem Hirschen, Einem Schwan, einer Schlange und einem Schakal

7) Die Geschichte von einem Elefanten Und einem schlauen alten Schakal

8) Die Geschichte von einem Affen, Der einen Keil herauszog

9) Die Geschichte von einem Dhobi, Einem Esel und einem Hund

10) Die Geschichte von einem Löwen, Einer Maus und einer Katze

11) Die Geschichte von einer Gruppe Affen, Einer Glocke und einer tapferen Frau

12) Die Geschichte von einer Krähenfamilie Und einer bösen Kobra

13) Die Geschichte von einem Löwen Und einem Hasen

14) Die Geschichte von den Tittibha-Vögeln Und dem Meer

15) Die Geschichte von den Vögeln Und den zitternden Affen



TEIL -II

16) Die Geschichte von einem Dhobi Und einem unglücklichen Esel

17) Die Geschichte von den Hasen, einem See Und dem Mondgott

18) Die Geschichte von einem gutherzigen Reiher Und einer bösen Krähe

19) Die Geschichte von einer schlauen Krähe Und einer dummen Wachtel

20) Die Geschichte von einem Schakal, Der in einen Kübel fiel

21) Die Geschichte von zwei Schwänen Und einer Schildkröte

22) Die Geschichte der drei Fischer

23) Die Geschichte von einem dummen Reiher, Einer schwarzen Schlange und einem Mungo

24) Die Geschichte von einem Weisen Und einer Maus

25) Die Geschichte von einem gierigen Kranich Und einem klugen Krebs

26) Die Geschichte von einem einfältigen Brahmanen Und drei Schurken

27) Die Geschichte von einem Löwen, einer Krähe, Einem Tiger, einem Schakal und einem Kamel

28) Die Geschichte von einer bösen Schlange Und dem dummen König der Frösche

29) Die Geschichte von einem voreiligen Brahmanen Und einem treuen Mungo



1. DIE GESCHICHTE VON EINER KRÄHE, EINEM JÄGER, EINIGEN TAUBEN UND EINER MAUS


Am Ufer des Flusses Godawari stand ein riesiger Baum. Nachts kamen die Vögel aus allen Gegenden dorthin, um darin zu übernachten.

Einmal in der Morgendämmerung, als der Mond hinter den Bergen im Westen unterging, erwachte eine Krähe und sah einen Jäger auf den Baum zukommen. Er sah aus wie Yama, der Gott des Todes.

Als die Krähe ihn sah, war sie außer sich und dachte bei sich: "Das sieht schlimm aus. Das gefällt mir gar nicht".

Nachdem sie so gedacht hatte, begann sie, dem Jäger zu folgen.

Nach einiger Zeit blieb der Jäger stehen und sah sich um. Er nahm einige Reiskörner aus einem Beutel, verstreute sie auf dem Boden und breitete sein Netz über den Körnern aus.

Nachdem er dies getan hatte, versteckte er sich hinter einem Baum.

Genau zu dieser Zeit flog der König der Tauben mit seinem Gefolge umher, auf der Suche nach Futter.

Als er die Körner sah, sagte er zu seinen Anhängern: "Wie seltsam! Reiskörner in einem unbewohnten Wald? Lasst uns sehen, was es damit auf sich hat. Die Sache kommt mir verdächtig vor."

Aber die gierigen Tauben hörten nicht auf den Rat ihres Königs und flogen hinab, um die Reiskörner zu fressen.

Im Nu waren sie alle in dem Netz gefangen.

Ein schrecklicher Lärm entstand unter den gefangenen Tauben.

Da rief der König der Tauben aus: "Freunde, wir sind in großer Gefahr.

Wenn wir uns nicht sogleich vereinen und einen Plan ausdenken, um uns zu befreien, werden wir sicher alle sterben. Ich schlage vor, dass wir alle gemeinsam des Netz festhalten und zusammen auffliegen."

Die Tauben stimmten zu. Sie hielten das Netz fest und flogen gemeinsam damit fort.

Als der Jäger dies sah, war er wie erstarrt und wusste nicht, was er tun sollte.

Aber bald sammelte er sich wieder und begann, den Tauben nachzulaufen.

Er dachte bei sich: "Diese Vögel haben es geschafft zu fliehen, weil sie sich vereint haben, aber wenn sie wieder am Boden landen, dann werde ich sie alle in meine Gewalt bringen."

Aber die Vögel flogen sehr schnell und waren bald nicht mehr zu sehen.

Dann fragten sie ihren König: "Was sollen wir jetzt tun?"

"Ich habe eine sehr liebe Freundin," sagte er, "eine Maus, die am Ufer des Flusses Godawari lebt. Wir werden zu ihr fliegen. Ich weiß, dass sie einen Weg finden wird, uns zu befreien."

Also flogen sie zu dem Ort, wo die Maus lebte. Als die Maus sie alle auf sich zufliegen sah, fürchtete sie sich sehr und rannte in ihr Loch am Fuße eines Baumes.

Aber der König der Tauben rief: "Meine Freundin, erkennst du mich nicht? Komm heraus und befreie uns alle!"

Als die Maus dies hörte, erkannte sie die Stimme ihres Freundes und kam schnell heraus.

Der König der Tauben erzählte ihr alles, was geschehen war, und die Maus fing schnell an, die Schnüre des Netzes durchzubeißen und befreite die Vögel.

Die Krähe, die hinterhergeflogen war und alles von einem Baum in der Nähe aus beobachtet hatte, war voller Bewunderung für ihre Freundschaft und sagte zu sich: "Es ist wahr, was man sagt: Ein Freund in der Not ist ein echter Freund".



2. DIE GESCHICHTE VON EINEM ALTEN TIGER UND EINEM GIERIGEN REISENDEN


Es war einmal ein Tiger, der so alt geworden war, dass er kaum noch jagen konnte. So ersann er einen Plan.


Eines schönen Morgens stand er auf einer Insel in einem See, hielt einen Halm des heiligen Kuscha Grases in der einen Pfote und ein Goldarmband in der anderen und rief laut: "Sehen sie her, meine Damen und Herren! Ein Goldarmband! Wie viel bieten Sie dafür?"

Einem Reisender, der zufällig vorbeikam, gefiel das Goldarmband

Er blieb stehen und dachte bei sich: "Dies hier scheint wirklich ein Glücksfall zu sein. Doch solange ein Risiko besteht, muss man vorsichtig sein. Also werde ich Acht geben."

Darauf sagte der Reisende zum Tiger: "Wo ist dieses Goldarmband?"

Der Tiger öffnete seine Pfote und zeigte es ihm. "Aber wie kann ich dir vertrauen," fragte der Mann, "wo ich doch weiß, dass du ein Tiger bist?"

"Hör zu, Reisender" sagte der Tiger, "ich gebe zu, dass ich in meiner Jugend böse war und viele Kühe und Menschen getötet habe. Meine Frau und Kinder starben wegen meiner bösen Taten.

Dann suchte ich einen heiligen Mann auf, der mir riet, Almosen zu geben. Heute nehme ich jeden Tag ein reinigendes Bad und gebe wohltätige Gaben.

Überdies bin ich alt geworden. Meine Zähne und Klauen sind mir ausgefallen. Also was hast du von mir zu befürchten?"

Der Reisende ließ sich von dieser klugen Rede täuschen und trat in den See, blieb aber in dem tiefen Schlamm stecken.

Als der Tiger dies sah, tröstete er den Reisenden: "Oh, mach dir keine Sorgen, ich werde dir helfen" sagte er, näherte sich langsam dem Reisenden und packte ihn plötzlich.

Während er zum Ufer geschleppt wurde, stieß der arme Mann hervor:

"Ach, diese trügerische Rede von Heiligkeit hat mich vollkommen getäuscht! Ein Schurke wird immer ein Schurke bleiben. Ich war ein Narr, ihm zu glauben und jetzt muss ich dafür bezahlen."

Kurz darauf tötete der Tiger den Reisenden und fraß ihn auf. Der Reisende hätte wissen müssen, dass sich die Natur eines Menschen niemals ändert.



3. DIE GESCHICHTE VON EINER KRÄHE, EINEM HIRSCHEN UND EINEM SCHAKAL


In einem großen Wald lebten ein Hirsch und eine Krähe. Sie waren gute Freunde. Der Hirsch war dick geworden und wanderte ohne irgendeine Sorge in der Welt im Wald umher.]

Eines Tages erblickte ein Schakal den kleinen dicken Hirschen.

"Hmmm," sagte sich der Schakal, "was für eine wohlschmeckende Speise das zarte Fleisch dieses jungen Hirschen für mich abgeben wird! Gut, zuerst werde ich versuchen, sein Vertrauen zu gewinnen."


Der Schakal dachte nach und näherte sich dem Hirschen.

"Hallo," sagte der Schakal, "wie geht es dir?"

"Wer bist du?" fragte der Hirsch.

"Ich bin ein Schakal und ich lebe hier in diesem Wald ganz allein. Ich habe keine Freunde. Nun, da ich dich getroffen habe, möchte ich dein Freund sein, und ich werde alles tun, was du sagst, um dir zu gefallen."

"Also gut, einverstanden," sagte der Hirsch.

Später, als die Sonne untergegangen war, gingen die beiden zum Zuhause des Hirschen. Die Freundin des Hirschen, die Krähe, lebte in der Nähe auf dem Zweig eines Baumes.

Als sie den Schakal sah, rief sie: "Freund Hirsch! Wer ist das, der mit dir gekommen ist?"

"Es ist ein Schakal, und er möchte unser Freund sein, und so ist er mit mir gekommen," sagte der Hirsch.

"Denkst du, es ist klug, sich mit jemandem so schnell zu befreunden, über den du nichts weißt?" sagte die Krähe.

"Du weißt nicht, wie seine Familie ist, oder was er für einen Charakter hat. Wie kannst du ihn in dein Haus einladen, ohne all das zu wissen?"

"Krähe!" rief der Schakal zornig, "als du den Hirsch zum ersten Mal trafst, wusstest du irgendetwas über ihn, seine Familie oder sein Benehmen? Warum seid ihr dann heute so gute Freunde?"

"Oh bitte, lasst uns nicht streiten", sagte der Hirsch. "Lasst uns alle Freunde sein. Man kann nur am Verhalten erkennen, wer ein Freund ist und wer ein Feind."

"Na gut," sagte die Krähe, "wie du willst." Und so begannen sie alle zusammenzuleben.

So verging die Zeit.

Eines Tages nahm der Schakal den Hirsch beiseite und sagte ihm: "Freund! In einem anderen Teil des Waldes gibt es ein Kornfeld. Ich werde dich dort hinführen und es dir zeigen."

Der Schakal nahm den Hirschen mit und zeigte ihm das Feld. Der Hirsch begann, jeden Tag dorthin zu gehen und nach Herzenslust zu fressen.

Als der Besitzer des Feldes bemerkte, dass irgendein Tier sein Korn fraß, stellte er eine Falle auf und der Hirsch wurde gefangen.

"Oh nein! Jetzt muss ich mich ganz auf meinen Freund verlassen. Er wird mich sicher aus dieser Falle befreien," dachte der Hirsch bei sich.

In der Zwischenzeit kam der Schakal hinzu und dachte bei sich: "Genau darauf habe ich gewartet. Wenn er vom Besitzer des Feldes getötet wird, werde ich mich viele viele Tage an seinem Fleisch satt fressen können."

Als der Hirsch den Schakal erblickte, rief er: "Oh Freund, bitte hilf mir! Nur ein Freund wie du kann mich aus solch einer schrecklichen Notlage befreien."

"Aber Kumpel," sagte der Schakal, "diese Schlinge ist aus Leder, also wie könnte ich sie heute, an meinem Fastentag, berühren? Bitte versteh mich nicht falsch.

Ich werde sie gleich morgen früh durchbeißen."

Als die Sonne unterging und der Hirsch noch nicht zurückgekommen war, begann die Krähe sich Sorgen zu machen.

Sie machte sich auf, um nach ihm zu suchen, bis sie das Kornfeld erreichte. Plötzlich entdeckte sie ihn. "Freund Hirsch, was ist dir geschehen?" fragte die Krähe traurig.

"Das passiert, wenn man den Rat eines Freundes in den Wind schlägt," antwortete der Hirsch. Und dann erzählte er der Krähe, wie der Schakal ihm das Kornfeld gezeigt hatte, um ihn in die Falle zu locken.

"Wo ist dieser Schurke?" fragte die Krähe zornig.

"Er versteckt sich irgendwo in der Nähe und wartet auf eine Gelegenheit, mich zu töten und zu fressen," antwortete der Hirsch.

"Ich hatte dich gewarnt, nie einem Fremden zu vertrauen, aber du hast nicht auf mich gehört" sagte die Krähe.

Dann seufzte die Krähe und rief: "Schakal! Betrüger! Schurke! Was hast du getan? Wie konntest du jemanden betrügen, der dir vertraute?

Ach, wenn man sich mit einem Schurken befreundet, wird man immer dafür bezahlen."

Die Krähe beschloss, da zu bleiben und dem Freund Gesellschaft zu leisten.

Am Morgen kam der Bauer mit einem Stock in der Hand zurück.

Als die Krähe ihn kommen sah, sagte sie zum Hirschen: "Schnell, tu was ich dir sage! Leg dich still hin, ohne dich zu bewegen, und tu so, als ob du tot seiest.

Wenn ich krächze, spring auf und renn um dein Leben."

Der Hirsch legte sich regungslos hin und stellte sich tot.

Als der Bauer sehr nahe an den Hirsch herankam, hellte sich sein Gesicht auf und er sagte bei sich: "Wie gut! Der Hirsch ist schon tot."

Dann befreite er ihn und begann, die Schlinge zu lösen. Genau in diesem Moment gab die Krähe dem Hirsch das Zeichen und dieser sprang auf und rannte davon, so schnell er konnte.

Der überraschte Bauer zielte sofort mit dem Stock nach dem Hirschen, verfehlte ihn jedoch. Stattdessen traf er den Schakal, der sich in der Nähe versteckt hatte, und tötete ihn auf der Stelle.

Der Hirsch lernte, dass es besser sei, einen offenen Feind als einen falschen Freund zu haben.



4. DIE GESCHICHTE VON EINEM GEIER, EINIGEN VÖGELN UND EINER KATZE


Es war einmal ein Hügel, der sich zum Ufer eines Flusses hinunter neigte. Am Fuße dieses Hügels wuchs ein Baum und im dem hohlen Loch dieses Baumes lebte ein alter blinder Geier.


Viele andere Vögel lebten ebenfalls auf dem gleichen Baum und aus Mitleid teilten sie jeden Tag ihr Fressen mit dem Geier. Dafür kümmerte er sich um ihre Jungen, wenn sie fort waren.

Eines Tages kam eine Katze zum Baumloch in der Hoffnung, die Vogelkinder zu fangen und aufzufressen.

Als aber die kleinen Vögel sie kommen sahen, machten sie großen Lärm. Der blinde Geier hörte diesen Lärm und rief: "Wer ist da?"

Als die Katze den Geier sah, erschrak sie sehr und dachte bei sich: "Oh Himmel! Ich bin so gut wie tot! Aber ich muss tapfer sein und der Gefahr ins Auge blicken. Ich muss versuchen, sein Vertrauen zu gewinnen."

"Ich... ich... ich bin nur gekommen, um Euch zu grüßen, oh Weiser!" sagte die Katze laut.

"Wer bist du?" fragte der Geier.

"Ich bin nur eine arme Katze" antwortete sie.

"Geh weg von hier, sonst werde ich dich fressen," rief der Geier.

"Mein Herr, hört mich erst an," sagte die Katze, "nachher könnt Ihr mich töten. Aber tötet Ihr wirklich jemanden, nur weil er zu einer bestimmten Rasse gehört?"

"Gut", antwortete der Geier, "ich bin bereit, dir zuzuhören. Aber sage mir, warum du hierher gekommen bist."

"Ich lebe hier in der Nähe am Ufer des Flusses Ganges", sagte die Katze. "Ich esse kein Fleisch. Ich nehme jeden Tag ein Bad im Fluss und tue Buße für meine Sünden.

Als die Vögel in der Gegend dies erfuhren, sagten sie zu mir: ‚Du musst mehr über Religion lernen von dem alten Geier, der für seine Kenntnis und Weisheit bekannt ist'."

Die Katze fuhr fort: "Alle lobten Euch. Darum bin ich hierher gekommen, um Euch meinen Respekt zu bezeugen. Aber was muss ich sehen? Dass Ihr bereit seid, mich, eine arme Katze, zu töten.

Ihr solltet mich so gut behandeln, wie man einen Gast behandeln soll. Wenn Ihr mir schon nichts zu Fressen anbietet, so sagt mir zumindest etwas Gütiges."

"Aber du frisst Fleisch, und die jungen Vögel leben hier. Wie könnte ich dir vertrauen?" fragte der alte blinde Geier.

Die Katze berührte den Boden und ihre Ohren als Zeichen ihrer Aufrichtigkeit und sagte: "Ich habe alle religiösen Bücher gelesen und gelernt, dass Töten Unrecht ist.

Der ganze Wald ist voll von Kräutern und Gemüse. Also warum sollte ich die Vögel töten und dabei sündigen?"

Auf diese Weise gewann die Katze das Vertrauen des alten blinden Geiers, der ihr erlaubte, in dem Baumloch zu wohnen.

Und wie die Tage so vorbei gingen, begann die schlaue Katze, die jungen Vögel einen nach dem anderen zu fressen, und der blinde Geier wusste nicht, was vor sich ging.

Aber die Vögel sahen, dass ihre Jungen verschwunden waren und suchten nach ihnen.

Als die Katze begriff, dass sie nicht weiter betrügen konnte, schlich sie sich leise davon.

Nach einigen Tagen fanden die Vögel die Knochen der Jungen nicht weit vom Baum entfernt.

"Ha!" sagten die Vögel. "Dieser alte blinde Geier hat unsere lieben Jungen gefressen!"

Die Vögel versammelten sich und töteten den Geier.

Ein Schurke wie eine Katze wird immer ein Schurke bleiben.



5. DIE GESCHICHTE VON EINER REICHEN MAUS UND EINEM HEILIGEN MANNES


Einmal lebte ein heiliger Mann in einer Stadt namens Champaka. Er bettelte um Almosen und verdiente so seinen Lebensunterhalt.

Er aß ein wenig und legte den Rest in eine Bettelschale, die er hoch oben an einem Haken in der Wand aufgehängt hatte.

Eine Maus, die dies beobachtet hatte, sprang hoch und fraß regelmäßig von dem Essen in der Bettelschale.

Eines Tages kam ein Freund des heiligen Mannes zu Besuch. Der heilige Mann hieß ihn willkommen und bot ihm Essen an. Danach zogen sich die beiden Freunde zurück, um sich zu unterhalten


Aber der heilige Mann konnte sich nicht auf die Unterhaltung konzentrieren und schlug unaufhörlich mit einem Bambusstock auf den Boden, um die Maus fernzuhalten.

Sein Freund beobachtete dies und fragte: " Was machst du da? Warum hörst du mir nicht aufmerksam zu?"

"Oh bitte verzeih' mir!", rief der heilige Mann. "Es ist nur diese schreckliche Maus. Jeden Tag frisst sie mir weg, was auch immer ich sammeln konnte."

Sein Freund sah in die Richtung der Bettelschale und fragte: "Aber wie kann eine Maus so hoch springen? Es muss einen Grund dafür geben, warum die Maus das schafft."

Der Freund des heiligen Mannes überlegte eine Weile und sagte dann: "Es kann nur einen Grund dafür geben. Die Maus muss sehr viel Futter zur Seite gelegt haben.

Dass sie so viel Futter hat, gibt ihr die außerordentliche Kraft, so hoch zu springen."

Sie begannen, den Futterschatz zu suchen, den die Maus angesammelt hatte. Als sie ihn endlich fanden, gruben sie ihn aus und nahmen ihn weg.

Als die Maus zurückkam und sah, dass ihr Futterschatz weg war, war sie völlig entmutigt. Sie verlor all ihren Schwung, so dass sie sich nicht einmal mehr bewegen konnte.

Und so war der heilige Mann seine Sorge los geworden, sein Essen in der Bettelschale zu bewachen.

Es ist klug, die Kraftquelle des Feindes trockenzulegen, um ihn zu vernichten.



6. DIE GESCHICHTE VON EINEM JÄGER, EINEM HIRSCHEN, EINEM SCHWAN, EINER SCHLANGE UND EINEM SCHAKAL


In einem Wald lebte einst ein Jäger.

Eines schönen Morgens zog er aus in der Hoffnung, einen Hirsch zu erlegen. Das Glück war auf seiner Seite und er tötete einen Hirsch, warf ihn über seine Schulter und brach des Abends nachhause auf.

Auf dem Weg traf er ein fettes Schwein.

Als der Jäger das Schwein sah, warf er den Hirsch schnell zu Boden und schoss mit einem Pfeil auf das Schwein.

Das Schwein grunzte schrecklich und griff den Jäger mit voller Kraft an. Es traf ihn hart in den Magen und tötete den Jäger auf der Stelle.


Das Schwein, das im Kampf verletzt worden war, starb ebenfalls.

Während des Kampfes wurde eine Schlange, die zufällig vorbeikam, niedergetrampelt und getötet.

Später kam ein Schakal dorthin und suchte nach Futter.

Als er den Jäger, das Schwein, den Hirsch und die Schlange tot da liegen sah, war er entzückt und dachte bei sich: ‚Ah, was für ein Glück! Es scheint, als ob ich ein Festmahl einnehmen könnte, aber ich werde immer nur ein wenig davon essen, so dass ich länger etwas davon habe.

Dann hob der Schakal den Bogen vom Boden auf und begann, die Schnur durchzubeißen.

Plötzlich riss die Schnur, der Bogen zerbrach und durchbohrte das Herz des Schakals. Der Schakal war auf der Stelle tot.

All das zeigt, dass Gier schlimme Folgen haben kann.



7. DIE GESCHICHTE VON EINEM ELEFANTEN UND EINEM SCHLAUEN ALTEN SCHAKAL


Einmal lebte in einem dichten Wald ein Elefant.

Ein Rudel Schakale, das auf der Suche nach Futter vorbeikam, bemerkte den Elefanten.

"Wenn dieser Elefant irgendwie sterben würde", sagten sie bei sich, "hätten wir genügend zu fressen für viele Monate."

Ein alter Schakal sagte: "Ich werde eine List ersinnen, um ihn zu töten."


Der schlaue alte Schakal näherte sich dem Elefanten, verbeugte sich vor ihm und sagte: "Mein Herr! Gewähren Sie mir einen Moment lang die Ehre ihres königlichen Blicks."

"Wer bist du und warum bist du zu mir gekommen?", fragte der Elefant.

"Ich bin nur ein einfacher Schakal," erwiderte er. "Neulich versammelten sich alle Tiere dieses Waldes und sie kamen zu dem Schluss, dass es schwierig sei, ohne den Schutz eines Königs zu leben.

Und Sie, der alle Qualitäten eines Königs besitzt, sind von uns als unser König auserwählt worden.

Unsere Sterndeuter haben uns gesagt, dass heute ein günstiger Tag für Ihre Krönung sei. Der Tag geht schnell vorüber.

Also folgen Sie mir bitte ohne Umschweife um die Zeremonie zu vollführen.

Dann ging der Schakal langsam voran.

Der Elefant war von den Worten des Schakals geschmeichelt und folgte dem Schakal, weil er gierig auf ein Königreich war.

Der Schakal ging durch einen Teich, der voller Schlamm war.

Da der Elefant schwer war, begann er, im Schlamm zu versinken. Er versuchte, heraus zu kommen, aber umsonst.

"Freund", rief der Elefant voller Entsetzen, "was soll ich tun? Ich versinke im Schlamm! Ich werde sterben!"

"Mein Herr, fassen Sie meinen Schwanz und ich werde Ihnen helfen, heraus zu kommen", sagte der Schakal mit einem listigen Lächeln. "Sie vertrauten einer Person wie mir. Gut, nun - bezahlen Sie dafür!"

Dann beobachtete er den Elefanten, wie er im Schlamm versank. Bald war der Elefant tot und wurde von den Schakalen gefressen.

Ein wirklich kluger Elefant wäre nie auf die süßen Worte eines Schurken hereingefallen.



8. DIE GESCHICHTE VON EINEM AFFEN, DER EINEN KEIL HERAUSZOG


Einmal entschied ein Schreiber, in seiner Stadt einen Tempel zu bauen.


Während der Bauarbeiten sägte ein Zimmermann einen Baumstamm entzwei, steckte einen Keil in die Mitte, so dass die beiden Hälften getrennt blieben, und ging zum Mittagessen.

Nun geschah es, dass eine Truppe wandernder Affen zu diesem Platz kam und um den Baumstamm herum zu spielen begannen.

Einer der Affen saß auf dem halbgespaltenen Holzklotz, legte seine Beine in die Lücke und versuchte, den Keil herauszuziehen.

Plötzlich kam der Keil heraus, der Spalt schloss sich und zerquetschte die Beine des Affen.

Der Affe starb unter großen Schmerzen. Zu spät wurde ihm klar, dass man seine Nase nicht in anderer Leute Angelegenheiten steckt.



9. DIE GESCHICHTE VON EINEM DHOBI, EINEM ESEL UND EINEM HUND


Einmal lebte ein Dhobi* in einer Stadt namens Varanasi.

Eines Nachts, während er fest schlief, drang ein Dieb in das Haus ein, um alles zu stehlen, was ihm in die Finger geraten würde.

In einer Ecke des Hofes stand der Esel des Dhobis, mit einem Seil angebunden, und ein Hund saß in der Nähe.


Als der Esel den Dieb ins Haus eindringen sah, sagte er zu dem Hund: "Freund! Es ist sicher deine Aufgabe, den Meister aufzuwecken."

"Sprich mir nicht von meinen Pflichten!", antwortete der Hund zornig. "Du weißt wohl, dass ich dieses Haus seit langem gut bewacht habe. Und der Meister brauchte sich um nichts Sorgen zu machen.

Aber in letzter Zeit hat er mich nicht gut genug gefüttert, also kümmert es mich nicht, was ihm widerfährt."

"Hör zu, du Narr!", schrie der Esel. "Dies ist sicher nicht der rechte Moment, zu klagen. Dies ist der Moment, zu handeln. Tu etwas! Weck den Meister auf, schnell!"

"Nein!", rief der Hund. "Jetzt zahle ich ihm zurück, dass er sich um seine Diener nur kümmert, wenn er ihre Hilfe braucht."

"Du böses Geschöpf!", schrie der Esel. "Du vernachlässigst deine Pflicht gerade dann, wenn du am meisten gebraucht wirst. Nun, ich werde deine Pflicht tun und den Meister aufwecken."

Dann schrie der Esel so laut, dass der Dhobi aufwachte. Schnell versteckte sich der Dieb.

Der Dhobi sah umher und erblickte niemanden. Er wurde sehr wütend und ergriff einen Stock, ging in den Hof und begann, den armen Esel zu prügeln.

Der Esel starb mit dem Wunsch, sich nicht in die Angelegenheiten anderer eingemischt zu haben.



10. DIE GESCHICHTE VON EINEM LÖWEN, EINER MAUS UND EINER KATZE


In einer Berghöhle lebte einmal ein mächtiger Löwe.

Immer wenn er schlief, kam eine Maus aus der Höhle heraus und nagte an seiner Mähne.

Als der Löwe dies bemerkte, war er sehr zornig, aber er konnte nichts dagegen tun, denn die Maus lief davon, sobald der Löwe aufsprang, um sie zu fangen, und schlüpfte in ihre Mauseloch.


Der Löwe überdachte die Angelegenheit und hatte schließlich eine Idee. Er ging ins nahegelegene Dorf und brachte eine Katze mit zurück.

Er gab ihr schmackhafte Fleischstückchen zu fressen und ließ sie frei in der Höhle umherlaufen.

Als die Maus die Katze sah, fürchtete sie sich sehr und kam nicht heraus.

So konnte der Löwe in Frieden schlafen. Immer wenn er die Maus hin- und herlaufen hörte, gab er der Katze etwas zu fressen und legte sich wieder schlafen, während die Katze ihn bewachte.

Das ging eine ganze Zeit so.

Aber eines Tages war die Maus so hungrig, dass sie ihr Leben riskierte und herauskam, um Futter zu suchen. Die Katze stürzte sich sofort auf sie und tötete sie.

Als der Löwe begriff, dass die Maus tot war, wurde er nachlässig und hörte auf, die Katze zu füttern. Er ließ sie allein.

Die arme Katze wurde schwächer und schwächer und verhungerte schließlich. "Wie wahr es ist! Man wird gut behandelt, solange man nützlich ist", sagte die unglückliche Katze, bevor sie starb.



11. DIE GESCHICHTE VON EINER GRUPPE AFFEN, EINER GLOCKE UND EINER TAPFEREN FRAU


Einst lebte ein Dieb in einer Stadt namens Brahmapura.

Eines Tages stahl er eine Tempelglocke und lief in den Wald.

Ein Tiger, der den Klang der Glocke hörte, wurde neugierig und wollte wissen, woher der Klang der Glocke kam.


Als er den Dieb sah, fiel der Tiger über den Dieb her und tötete ihn. Die Glocke fiel zu Boden.

Ein paar Tage später entdeckte eine Gruppe Affen die Glocke, hoben sie auf und begannen, mit ihr zu spielen.

Kurz danach entdeckten die Stadtbewohner den Körper des Diebs und riefen aus: "Sicherlich ist ein Dämon in der Gegend, der die Menschen angreift und dann voll Freude die Glocke läutet."

Als die Leute dies hörten, begannen sie die Stadt in Panik zu verlassen.

Da dachte eine tapfere und kluge Frau bei sich: "Ich bin ganz sicher, dass es die Affen sind, die die Glocke läuten."

Mutig ging sie in den Wald und sah einige Affen mit der Glocke spielen und sie läuten.

Dann ging die Frau zum König und sagte: "Eure Majestät! Ich bin sicher, dass dieser Dämon überwältigt werden kann, wenn man zu den Göttern betet. Aber das wird Geld kosten."

Der König, der nur zu gern den Dämon loswerden wollte, war bereit, viel Geld auszugeben.

Die Frau gab vor, sehr ernst zu den Göttern zu beten. Sie zeichnete einen Kreis am Boden, legte einige Früchte hinein und begann, den Gott Ganesh anzurufen. Dann hob sie die Früchte auf und ging in den Wald.

Sie legte die Früchte unter einen Baum und wartete in der Nähe.

Als die gierigen Affen die saftigen Früchte sahen, ließen sie die Glocke fallen, genau wie die Frau erwartet hatte, und eilten nach unten, um die Früchte zu verspeisen.

Die Frau hob die Glocke auf und eilte zurück in die Stadt. Der König war sehr erfreut und jeder bewunderte ihren Mut.

In der Tat siegen Klugheit und Mut über alle Schwierigkeiten.





12. DIE GESCHICHTE VON EINER KRÄHENFAMILIE UND EINER BÖSEN KOBRA


In einem großen Baum des Waldes lebten ein Krähenpaar. Eine schwarze Kobra wohnte in der Höhle des gleichen Baumes. Und immer wenn junge Vögel zur Welt kamen, fraß die Kobra sie auf.


Eines Tages sagte die Krähen-Frau, die Junge erwartete, zu ihrem Mann: "Liebling, bitte lass uns von hier fortgehen. Ich bin sicher, die schwarze Kobra wird wieder meine Kinder fressen."

"Hab keine Angst", sagte ihr Mann. "Ich werde ihr Verbrechen nicht länger dulden."

"Aber wie kannst du mit ihr kämpfen? Sie ist so stark!" sagte sie.

"Ich bin klug", antwortete der Krähen-Mann, "also bin ich stärker."

"Nun, kann ich etwas tun, um dir zu helfen?" fragte die Krähen-Frau.

"Ja, kannst du," sagte ihr Mann. "Hör mir gut zu. Jeden Tag kommt der König und nimmt ein Bad in dem nahegelegenen See.

Er legt seine goldene Kette ab und lässt sie an der Biegung des Sees, während er badet. Du musst diese Goldkette aufheben und vor dem Loch unseres Baumes ablegen, wo die schwarze Kobra wohnt.

Wenn die Diener des Königs dir folgen, um die Halskette zurückzuholen, werden sie sicher die schwarze Kobra sehen und sie töten."

Und die Krähen-Frau tat genau das, was ihr Mann ihr gesagt hatte.

Die Diener des Königs jagten der Krähe nach, die die Halskette schlau vor dem Baumloch fallen ließ.

Als die Diener den Ort erreichten, sahen sie die schwarze Kobra und töteten sie.

In der Tat, es ist wahr, was die Weisen sagen: "Was durch Kraft nicht erreicht werden kann, das kann durch Klugheit erreicht werden."





13. DIE GESCHICHTE VON EINEM LÖWEN UND EINEM HASEN


In einer Berghöhle lebte einst ein Löwe. Er tötete Tiere, selbst wenn er keinen Hunger hatte.


Eines Tages kamen alle Tiere zusammen, gingen zu ihm und sagten: "Herr Löwe! Wozu dieses sinnlose Töten? Wenn Sie einverstanden sind, werden wir Ihnen jeden Tag ein Tier zu fressen vorlegen."

Der Löwe dachte nach und sagte: "Einverstanden! Das ist eine gute Idee."

Von diesem Tag an zogen die Tiere ein Los und schickten jeden Tag ein Tier zum Löwen.

Eines Tages war ein alter Hase an der Reihe.

Sehr widerwillig ging er langsam zur Höhle des Löwen.

Auf dem Weg ersann er einen Plan, den Löwen zu töten. Gemäß diesem Plan kam er absichtlich sehr spät an der Höhle des Löwen an.

"Warum kommst du so spät?", brüllte der Löwe, während er sich hungrig das Maul leckte.

"Eure Majestät," sagte der Hase, "es war nicht meine Schuld. Auf dem Weg hierher wurde ich von einem Löwen aufgehalten, der mich fressen wollte. Er ließ mich erst gehen, als ich ihm schwor, dass ich zu ihm zurückkehren würde, nachdem ich bei Ihnen war."

"Zeig mir diesen Schurken und ich werde ihn töten!", brüllte der Löwe, der wild vor Wut war, dass ein anderer Löwe seine Macht herausgefordert hatte.

Der Hase führte den Löwen zu einem Brunnen, zeigte ihm listig sein eigenes Spiegelbild im Wasser und sagte: "Meister! Hier, sehen Sie selbst!"

Der Löwe dachte, das Spiegelbild im Brunnen sei sein Feind, sprang in den Brunnen, um gegen den anderen Löwen zu kämpfen und ertrank.

Der Hase kehrte nachhause zurück in der Gewissheit, dass Klugheit mächtiger ist als Kraft.





14. DIE GESCHICHTE VON DEN TITTIBHA-VÖGELN UND DEM MEER


An der Küste eines Meeres lebte ein Tittibha Vogel-Paar.


Im Laufe der Zeit erwartet die Vogelfrau Junge und sagte zu ihrem Mann: "Mein Lieber, bitte finde mir einen geeigneten und ruhigen Platz, wo ich meine Eier legen kann."

"Meine liebe Frau, dies ist der richtige Ort!" sagte ihr Mann.

"Oh nein!", antwortete sie. "Bei Flut ist dieser Ort völlig überflutet!"

"Was?! Glaubst du, ich bin so machtlos, dass das Meer es wagen würde, so etwas zu tun?" rief ihr Mann.

"Mein Lieber", sagte die Tittibha-Frau mit einem Lächeln. "Es gibt einen großen Unterschied zwischen dir und dem Meer.

Du solltest deine Schwäche anerkennen. Sonst könnte es sein, dass du für deinen Hochmut bezahlen musst."

Aber der Tittibha-Mann blieb hart und so musste das arme Weibchen die Eier an dem Ort legen, wo sie wohnten.

Das Meer war über ihre Unterhaltung amüsiert und nahm bei erster Gelegenheit die Eier weg.

"Mein Mann!", schrie die Vogel-Frau. "Etwas Schreckliches ist geschehen! Unsere Eier sind verschwunden!"

"Meine liebe Frau", erwiderte der Vogel-Mann. "Mach dir keine Sorgen. Ich werde sie zurückholen."

Dann berief der Tittibha eine Versammlung der Vögel ein.

Sie gingen alle gemeinsam zu ihrem König Garuda und der Tittibha sagte zu ihm: "Meister! Wir lebten friedlich zuhause und verursachten niemandem Probleme, und dennoch hat das Meer mich und meine Frau gequält und uns unsere Eier weggenommen und und dadurch schrecklich unglücklich gemacht."

Da erzählte Garuda Lord Vishnu, dem Bewahrer der Welt, alles was geschehen war.

Gott Vishnu befahl dem Meer, dem Tittibha-Vogel sofort die Eier zurückzugeben.

Das Meer erschrak sehr, gehorchte still Lord Vishnus Befehl und gab die Eier zurück.

So erwies sich ein entschlossener kleiner Vogel dem mächtigen Meer ebenbürtig.





15. Die Geschichte von den Vögeln und den zitternden Affen


Am Ufer des Flusses Godawari stand einst ein großer Baum.

Einige Vögel hatten ihr Nest in der Höhle des Baumes gebaut und lebten dort glücklich.


Eines Tages, während der Regenzeit, als der Himmel voller schwarzer Wolken hing, regnete es heftig.

Ein paar Affen, die sich in der Gegend aufhielten, wurden vollständig durchnässt und suchten unter dem Baum Schutz. Sie zitterten und fühlten sich elend vor Kälte.

Als die Vögel das sahen, taten ihnen die Affen Leid.

Um sie aufzumuntern, sagten die Vögel: "Hört zu, ihr Affen! Wir haben unsere Nester aus Zweigen und trockenen Grashalmen gebaut, die wir mit den Schnäbeln aufgepickt haben.

Ihr habt Hände und Füße, also warum sitzt ihr so untätig im Regen? Warum macht ihr euch nicht einen schönen Unterstand?"

Als die Affen dies hörten, wurden sie ärgerlich und sagten zu sich: "Diese Vögel brauchen Regen oder kalten Wind nicht zu fürchten. Da sie es gemütlich haben, denken sie, sie könnten uns kritisieren.

Aber wartet nur! Wenn der Regen aufhört, werden wir es euch zeigen!"

Nach einiger Zeit hörte der Regen auf und die Affen kletterten den Baum hinauf. Sie zerbrachen die Vogeleier und zerstörten ihre Nester.

Die armen Vögel bedauerten ihre Worte und merkten, dass sie keinen ungebetenen Rat hätten erteilen sollen.

Vergiss nie : Gib niemandem Salz noch Rat, es sei denn, er bittet dich darum.



16. DIE GESCHICHTE VON EINEM DHOBI UND EINEM UNGLÜCKLICHEN ESEL


In der Stadt Hastnapura lebte ein Dhobi namens Vilasa.

Vilasa hatte einen Esel, der Lasten trug, die viel zu schwer für ihn waren.

So wurde er jeden Tag schwächer. Es sah so aus, als ob er bald sterben würde, wenn er nicht eine anständige Mahlzeit bekommen würde.


Damit der Esel kostenlos fressen könnte, warf ihm der Dhobi ein Tigerfell über und ließ ihn frei in einem Kornfeld umherlaufen.

Als der Besitzer des Kornfeldes das Tier entdeckte, hielt er ihn für einen Tiger und lief vor Angst davon.

Er erzählte seinem Nachtwächter und einigen anderen Leuten, was geschehen war.

Ein paar Tage später warf sich der Nachtwächter, der das Kornfeld bewachte, eine graue Decke über, nahm seinen Pfeil und Bogen und versteckte sich. Auf allen Vieren wartete er geduldig auf den Tiger.

Als der Esel im Tigerfell, der in der Zwischenzeit stark geworden war, weil er nach Herzenslust Korn fressen konnte, eine graue Gestalt in der Ferne sah, dachte er, es sei eine Eselin. Er brüllte laut und lief auf sie zu.

Der Nachtwächter begriff schnell, dass es sich um einen Esel, und nicht um einen Tiger handelte, und schoss ihn sofort tot.

Mit einem zufriedenen Lächeln sagte sich der Nachtwächter: "Das passiert, wenn Leute vorgeben, etwas zu sein, was sie nicht sind."





17. DIE GESCHICHTE VON DEN HASEN, EINEM SEE UND DEM MONDGOTT


Einst lebte in einem Wald eine Herde Elefanten. Sie gingen regelmäßig zu einem nahegelegenen Teich, um ihren Durst zu stillen und zu baden.

In einem bestimmten Jahr jedoch regnete es überhaupt nicht, auch nicht in der Regenzeit, und der Teich trocknete vollständig aus.


Die Elefanten bekamen Durst. Also gingen sie zu ihrem König und sagten: "Meister, wir haben Durst. Wie können wir ohne Wasser leben? Was sollen wir tun? Wohin sollen wir gehen?"

Der Elefantenkönig führte sie zu einem sauberen, tiefen See nicht weit von dem Ort, an dem sie lebten.

Wie die Zeit so verging, geschah es, dass, immer wenn die Elefanten zum See gingen, ein paar Hasen unter ihren Füßen zertrampelt wurden.

Als einer der Hasen sah, was passierte, dachte er bei sich: "Wenn jedesmal, wenn die Elefanten zum See gehen, ein paar von uns Hasen zertrampelt werden, dann wird unsere Rasse eines Tages vollständig vernichtet sein."

Ein alter Hase namens Vijay sagte: "Wir wollen uns keine Sorgen machen! Ich werde mir einen Plan ausdenken, um sie loszuwerden."

Nachdem er dies versprochen hatte, ging er spazieren.

Unterwegs dachte er sich: "Was soll ich den Elefanten sagen, wenn ich sie sehe? Ich darf ihnen nicht zu nahe kommen, sonst werde ich getötet.

Also werde ich auf den Hügel klettern und von dort aus zu ihrem König sprechen."

Und genau das tat er.

"Wer bist du?" fragte der Elefantenkönig. "Und woher bist du gekommen?"

"Ich bin ein Bote, und der Mondgott hat mich zu Euch gesandt," sagte der Hase.

"Bitte sage uns, warum du hier bist," sagte der Elefantenkönig.

"Ein Bote spricht nichts als die Wahrheit," sagte der Hase, "auch wenn es gefährlich ist.

Hört, was der Mondgott euch zu sagen hat: ‚Diese Hasen sind die Wächter meines Sees, aber sie werden von Euren Elefanten vertrieben oder zu Tode getrampelt.

Dabei stehen sie seit langem unter meinem Schutz. Es ärgert mich, dass ihr sie tötet. Also nehmt euch in Acht und geht von hier weg."

Nachdem Vijay, der alte Hase, das gesagt hatte, sprach der Elefantenkönig, der nun ängstlich geworden war: "Oh weh, all das geschah in Unwissenheit! Es wird nicht wieder geschehen, das verspreche ich dir."

"Nun gut, wenn das so ist", sagte der alte Hase, "dann könnt ihr in Frieden gehen. Aber vorher müsst Ihr dem Mondgott, der im See lebt und vor Wut zittert, Ehre erweisen."

Des Nachts führte der alte Hase den Elefantenkönig zum See. Der König sah ins Wasser und erblickte das schillernde Spiegelbild des Mondes.

Als er das sah, dachte er, dass der Mondgott tatsächlich böse auf ihn sei. Er verbeugte sich vor ihm voller Ehrfurcht.

Vijay, der alte Hase, sagte taktvoll: "Oh Herrscher, Mondgott! Der Elefantenkönig hat unwissend einen Fehler begangen, indem er seine Herde zu diesem See gebracht hat.

Bitte vergib ihm. Er wird all seine Elefanten sofort von hier wegführen und nie wieder zurückkommen."

Sobald der alte Hase seine Rede beendet hatte, führte der Elefantenkönig seine Herde hinweg.

Siehst du, so kann - wie in Vijays Fall - eine schwache Person mit ein bisschen Witz und Geistesgegenwart den stärksten Feind besiegen. Und die Hasen lebten für immer glücklich und zufrieden.





18. DIE GESCHICHTE VON EINEM GUTHERZIGEN REIHER UND EINER BÖSEN KRÄHE


Auf einem riesigen Feigenbaum vor den Toren der Stadt Ujjain lebte ein gutherziger Reiher und eine böse Krähe.

An einem sehr heißen Sommertag hielt ein Reisender, der vom Wandern in der Sonne müde geworden war, in dem kühlen Schatten unter dem Feigenbaum an.


Er legte seinen Pfeil und Bogen neben sich und schlief ein.

Nach einiger Zeit wanderte der Schatten des Baumes und ließ das Gesicht des Reisenden ungeschützt in der Sonne.

Als der gutherzige Reiher dies sah, breitete er seine Flügel aus, um den Reisenden vor der Sonne zu schützen.

Die böse Krähe hatte alles beobachtet. Es ärgerte sie, den Reisenden in Ruhe schlafen zu sehen.

Und als der Reisende aufwachte und genüsslich gähnte, konnte sie ihren Ärger nicht länger kontrollieren. Sie erleichterte sich direkt in den Mund des Reisenden und flog davon.

Wütend sprang der Reisende auf. Er blickte nach oben, um den Schuldigen zu finden, und sah den Reiher. Da nahm er seinen Pfeil und Bogen und schoss den Vogel tot.

Wenn der unglückliche Reiher gewusst hätte, dass die Gesellschaft des Bösen dem Guten oft Sorge und Leid bringt, wäre er noch am Leben.





19. DIE GESCHICHTE VON EINER SCHLAUEN KRÄHE UND EINER DUMMEN WACHTEL


Einmal, am Festtag des Gottes Garuda, dem König der Vögel, pilgerten alle Vögel zur Küste.

Mit all den anderen flogen auch eine Krähe und eine Wachtel, die schon seit einiger Zeit Freunde waren.


Auf ihrem Weg sahen die beiden Vögel einen Kuhhirten, der einen Topf Käse auf dem Kopf trug.

Die böse Krähe flog - gemäß ihrer Natur - hinter dem Mann und steckte ihren Schnabel immer wieder in das Gefäß und fraß den Käse.

Als der Kuhhirte bemerkte, was da vor sich ging, blieb er stehen, stellte seinen Topf auf den Boden und sah umher. Er sah eine Krähe und eine Wachtel in der Nähe.

Als die Krähe dies sah, bekam sie Angst und flog schnell davon. Die langsame Wachtel wurde von dem Kuhhirten getroffen und getötet.

Die Wachtel hätte wissen müssen, dass es das Klügste ist, schlechte Gesellschaft zu meiden, sonst kann man zu Schaden kommen.





20. DIE GESCHICHTE VON EINEM SCHAKAL, DER IN EINEN KÜBEL FIEL


Einmal wanderte ein Schakal auf der Suche nach Futter in der Umgebung einer Stadt umher und fiel in einen großen hölzernen Kübel mit Indigofarbe.

All seine Anstrengungen, wieder heraus zu kommen, waren umsonst.

Am nächsten Morgen, als der Schakal die Schritte des Färbers hörte, lag er mucksmäuschenstill da und stellte sich tot.


Und wirklich: als der Färber den Schakal bemerkte, dachte er, dass dieser tot sei. Also holte er den Schakal heraus und warf ihn auf den Boden.

Sobald der Färber ihn aus dem Kübel geworfen hatte, sprang der Schakal auf und rannte um sein Leben in den Wald.

Als der Schakal seine neue blaue Farbe sah, dachte er bei sich: "Jetzt sehe ich ganz anders. Aber warum sollte ich nicht das Beste daraus machen?"

So rief er alle Schakale zusammen und sagte zu ihnen: "Die Waldgöttin hat meinen Körper mit ihren eigenen Händen gesalbt.

Seht meine Farbe! Von heute an bin ich der Herrscher dieses Waldes und ihr werdet meine Befehle ausführen."

Die Schakale sahen seine eigenartige Farbe voller Ehrfurcht an, verbeugten sich respektvoll vor ihm und sagten: "Wir werden tun, was Eure Majestät befiehlt!"

Wie die Zeit so verging, erkannten auch andere Tiere des Waldes ihn als ihren König an.

Im Folgenden wurden auch der Löwe und der Tiger seine Untertanen. Nun wurde der Schakal immer stolzer.

Er wurde so überheblich, dass er sich weigerte, andere Schakale als Teil seiner Untertanen zu akzeptieren.

Als ein alter Schakal bemerkte, dass die anderen Schakale sehr traurig waren, sagte er zu ihnen: "Seid nicht traurig. Wir sind so klug, und doch sind wir so erniedrigt worden von diesem sogenannten König. Ihr werdet sehen, er wird dafür bezahlen.

Der Löwe, der Tiger und die anderen Tiere bemerken nicht, dass er nur ein Schakal ist und deswegen haben sie ihn als ihren König akzeptiert.

Wir müssen uns etwas einfallen lassen, so dass sie die Wahrheit erkennen. Ich weiß, wie wir das anstellen können.

Lasst uns heute Abend zusammenkommen und zur gleichen Zeit zu heulen anfangen.

Dieser König wird sicherlich in unser Geheul einstimmen, denn - trotz allem ist und bleibt er ein Schakal."

Am Abend versammelten sich die Schakale und begannen zu heulen.

Getreu seiner Natur begann auch der blaugefärbte Schakal zu heulen und sein Spiel war ausgespielt.

Sofort wussten der Löwe, der Tiger und die anderen Tiere, dass er sie zum Narren gehalten hatte. Sie fielen über ihn her und töteten ihn.

Als der alte Schakal dies hörte, nickte er und sagte: "Es lohnt sich nicht, zu betrügen, denn die Wahrheit wird am Ende immer triumphieren."





21. DIE GESCHICHTE VON ZWEI SCHWÄNEN UND EINER SCHILDKRÖTE


Vor langer Zeit lebte in einem See im Land Magdha eine Schildkröte. Auch zwei Schwäne lebten in der Nähe. Die drei waren sehr gute Freunde.

Eines Tages kamen einige Fischer und sagten zueinander: "Wir werden morgen früh hierher zurückkommen und Fische und Schildkröten fangen."


Als die Schildkröte dies hörte, sagte sie zu den Schwänen: "Hört was die Fischer gesagt haben. Was können wir tun? Was in der Welt soll ich nur tun?

Die Schwäne antworteten: "Wir werden sehen, was das Beste ist."

"Ich habe einige schreckliche Dinge erlebt in der Vergangenheit," sagte die Schildkröte. "Könnt ihr mir helfen, noch heute zu einem anderen See zu kommen?

"Aber es ist zu unsicher, wenn du zu einem anderen See kriechst."

"Nun, ihr könntet mich zwischen euch dorthin tragen", antwortete die Schildkröte, die sichtlich erfreut über ihre Idee war.

"Aber wie können wir das machen?" fragten die Schwäne.

"Jeder von euch könnte ein Ende eines Stockes im Schnabel halten, während ich ihn in der Mitte mit meinem Maul halte.

Wenn ihr dann fliegt, kann ich mit euch fliegen," sagte die Schildkröte.

"Was für eine gute Idee!" sagten die Schwäne. "Aber es ist sehr gefährlich, denn wenn du während des Flugs zum Sprechen dein Maul öffnest, wirst du hinunterfallen."

"Glaubt ihr, dass ich so dumm bin?" fragte die Schildkröte.

Später, als die Schwäne aufflogen, ihren Freund die Schildkröte zwischen sich an einem Stock tragend, wurden sie von ein paar Kuhhirten dabei beobachtet.

Die Kuhhirten waren sehr erstaunt und riefen: "Was für ein seltsamer Anblick! Seht euch das an! Die Schwäne bringen die Schildkröte fort."

"Nun, wenn die Schildkröte herunterfällt, werden wir sie rösten," sagte einer der Kuhhirten. "Ich werde sie in kleine Stücke schneiden und verspeisen," sagte ein anderer.

Als sie diese unschönen Bemerkungen hörte, vergaß die Schildkröte, wo sie war, und rief ärgerlich: "Einen Dreck werdet ihr essen!"

In gleichen Moment, da sie ihr Maul öffnete, hielt sie den Stock nicht mehr fest und stürzte zu Boden. Dort wurde sie von den Kuhhirten getötet.

Die Schwäne sahen voller Gram das Ende ihrer Freundin, der Schildkröte, und wünschten, sie hätte auf sie gehört. Denn: Ein guter Rat ist Gold wert.



22. DIE GESCHICHTE DER DREI FISCHER


Einmal lebten drei Fische in einem Teich.

Eines Tages kamen ein paar Fischer an dem Teich vorbei.

Sie sagten zueinander: "Wir werden morgen früh hierher kommen und alle Fische fangen."


Als sie dies hörten, sagte einer der Fische: "Ich gehe weg, in einen anderen Teich", und schwamm durch einen Kanal in einen anderen Teich.

Der andere Fisch sagte: "Wie kann ich wissen, was morgen passiert? Wenn Gefahr droht, werde ich ihr ins Auge sehen."

"Warum sich beunruhigen!", rief der dritte Fisch. "Was kommt, das kommt."

Am nächsten Morgen kamen die Fischer und warfen ihr Netz aus.

Der zweite Fisch wurde im Netz gefangen und stellte sich tot.

Gerade als er aus dem Netz geholt werden sollte, nahm er all seine Kraft zusammen, sprang zurück ins Wasser und schwamm davon.

Der dritte Fisch wurde im Netz gefangen und von den Fischern getötet.

Als sie fort waren, war der zweite Fisch froh, dass er überlebt hatte, obwohl es ihm um seinen Freund leid tat.

Er dachte bei sich : "Es ist ein Fehler, alles dem Glück zu überlassen. Beim ersten Anzeichen von Gefahr, muss man schnell handeln."



23. Die Geschichte von einem dummen Reiher, einer schwarzen Schlange und einem Mungo


In der Nähe eines Gebirges im Norden, auf einem Feigenbaum am Ufer des Flusses Amravati, lebte ein Reiherpaar, Mann und Frau.

In einem Loch am Fuß dieses Baumes lebte eine schwarze Schlange. Diese kletterte immer den Stamm hinauf und fraß die Reiherjungen.

Einmal, als das Reiherweibchen über den Verlust ihrer Jungen klagte, riet ihr ein anderer Reiher, der in der Nähe wohnte: "


Tu genau, was ich dir sage. Streue ein paar Fischstückchen von der Höhle des Mungos bis zum Baumloch der schwarzen Schlange.

Der Mungo ist ganz begierig auf Fisch.

Wenn er der Spur folgt, um den Fisch zu fressen, wird er sicher das Baumloch erreichen. Und wenn er die Schlange, seinen Feind, sieht, wird er sie bestimmt töten."

Wie vorhergesehen, stürzte sich der Mungo auf die Schlange und tötete sie.

Der Mungo hörte jedoch auch die Schreie der neugeborenen Reiherjungen.

Er kletterte auf den Baum und fraß sie alle auf.

Der benachbarte Reiher fühlte sich elend und schuldig, weil er einen undurchdachten Rat erteilt hatte. Er sagte zu sich: "Wenn man sich einen Plan ausdenkt, dann muss man auch die Folgen bedenken."



24. DIE GESCHICHTE VON EINEM WEISEN UND EINER MAUS


Vor langer Zeit lebte einst ein Weiser.

Eines Tages, als er sich zum Mittagessen gesetzt hatte, fiel aus dem Schnabel einer Krähe eine Maus in seiner Nähe auf den Boden.


Er hob die Maus auf, nahm sie mit zu sich in den Ashram und fütterte sie mit Reis.

Eines Tages sah der Weise eine Katze, wie sie die Maus durch den Ashram jagte. Er fürchtete, dass sein Haustier, die Maus, von der Katze getötet werden würde.

Also verwandelte er -kraft seiner Buße - die Maus in eine Katze, so dass sie sich gegen andere Katzen verteidigen könnte.

Bald tauschte ein Hund auf und begann, die Katze anzubellen und zu jagen. Als der Weise dies sah, verwandelte er die Katze in einen Hund.

Eines Tages wurde sein Hund von einem Tiger erschreckt.

Der Weise verwandelte sofort seinen Hund in einen Tiger.

Er behandelte den Tiger jedoch so, als ob er immer noch seine kleine Maus wäre.

Immer wenn die Dorfbewohner, die am Ashram vorbeikamen, den Tiger sahen, sagten sie: "Ha! Das ist kein Tiger! Es ist nur eine Maus, die der Weise in einen Tiger verwandelt hat.

Er wird uns nicht auffressen. Er wird uns nicht mal Angst machen!"

Als der Tiger dies hörte, war er sehr wütend und sagte bei sich: "So lange der Weise lebt, wird die Wahrheit über meine Natur bekannt sein. Ich muss ihn für immer los werden."

So entschied der Tiger, den Weisen zu töten. Aber sobald der Weise den Tiger auf sich zukommen sah, wusste er, was im Kopf des Tigers vor sich ging. Er rief: "Verwandle dich wieder zurück in eine Maus!"

Kaum hatte er diese Worte ausgerufen, da schrumpfte der Tiger und wurde wieder eine kleine Maus.

Der Weise sah ihn mit Mitleid an und sagte: "Egal, ob man groß oder klein ist, es ist immer gut, demütig zu sein."



25. DIE GESCHICHTE VON EINEM GIERIGEN KRANICH UND EINEM KLUGEN KREBS


Vor langer Zeit lebte an einem See im Lande Malwa ein alter Reiher.

Er war so schwach geworden, dass er keine Kraft mehr zum Fischen hatte.


Er dachte sich einen Plan aus, um Futter - Fische und Krebse - zu bekommen, ohne sich anzustrengen.

Er ging zum Ufer des Sees und stand da leblos, wie von Kummer überwältigt.

Ein Krebs, der den sorgenvollen Kranich bemerkte, fragte ihn: "Warum stehst du da und tust nichts, um Fische zu fangen?"

"Mein lieber Freund, wie du weißt, lebe ich von Fisch," erklärte der Kranich. "Morgen früh wird ein Fischer hierher kommen und alle Fische aus dem See fangen. Ich habe diese Nachricht am Stadtrand gehört.

Ohne die Fische muss ich sicherlich sterben.

Diese Nachricht hat mich so beunruhigt, dass mir heute gar nicht danach ist, etwas zu fressen."

Als die Fische diese alarmierende Nachricht hörten, begannen sie, die Sache zu besprechen, und sagten: "Dieser Kranich ist unser Feind, aber in dieser Stunde der Not kann er uns vielleicht helfen. Wir wollen ihn fragen, was zu tun ist."

Die Fische schwammen zum Kranich empor und fragten: "Wie können wir überleben? Was sollen wir tun? Kannst du uns einen Rat geben?"

Der Kranich - glücklich darüber, dass sein Plan aufzugehen schien - tat so, als denke er über ihr Problem nach und antwortete: "Doch. Es gibt einen Ausweg.

Ich trage euch einen nach dem anderen zu einem anderen See, nicht weit von hier."

Die Fische waren erleichtert und nahmen den Plan des Kranichs an. Jeden Tag brachte der Kranich mehrere Fische einen nach dem andern auf seinem Rücken zu einem nahegelegenen Ort und fraß sie auf.

Der Kranich lebte eine Zeitlang bequem, ohne dass er selbst Fische fangen musste.

Eines Tages sagte der Krebs: "Oh Kranich, bitte bring mich auch zu dem sicheren Ort!"

Der Kranich willigte sofort ein und dachte bei sich: "Fein, fein! Zur Abwechslung werde ich einmal Krebs essen!"

Am nächsten Morgen flog der Kranich den Krebs auf seinem Rücken zu dem Ort, wo er die Fische hingebracht und aufgefressen hatte.

Der Krebs bemerkte einen Haufen Skelette der toten Fische. Schlagartig verstand der Krebs, was der Kranich getan hatte.

"Oh was für ein Unglück! Es scheint, als ob ich gleich sterben müsste. Trotzdem, ich will so mutig sein wie ich nur kann und sehen, was ich tun kann."

Der Krebs legte seine Zangen um den Hals des Kranichs und würgte ihn. Der Kranich fiel tot zu Boden.

"So ist das." sagte der Kranich. "Du kannst nicht davon kommen mit deinen bösen Taten. Eines Tages kommt man dir auf die Schliche."





26. DIE GESCHICHTE VON EINEM EINFÄLTIGEN BRAHMANEN UND DREI SCHURKEN


Einmal lebte ein einfältiger Brahmane.


Eines Tages kaufte er in seinem Dorf eine fette Ziege, um sie den Göttern zu opfern. Er warf sie sich über die Schulter und machte sich auf den Heimweg durch den Wald.

Auf dem Weg sahen ihn drei Schurken.

Als sie die fette Ziege über seinen Schultern sahen, sagten sie zueinander: "Wie können wir diese Ziege von ihm bekommen? Sie würde ein vorzügliches Mahl abgeben."

Sie dachten darüber nach und machten einen Plan.

Unbemerkt von dem einfältigen Brahmanen rannten sie durch den Wald und warteten, jeder vom anderen ein Stückchen entfernt, auf seinem Nachhauseweg.

Als der Brahmane zum ersten Schurken kam, verbeugte sich der Mann vor dem Brahmanen, gab vor, ihm Respekt zu erweisen und sagte: "Ach heiliger Mann, warum trägst du einen Hund auf deinenn Schultern?"

"Hund?" sagte der Brahmane und blickte erstaunt drein. "Es ist eine Ziege, die ich nachhause trage, um sie den Göttern zu opfern."

Während der einfältige Brahmane seinen Weg fortsetzte, dachte er unaufhörlich über die Bemerkung des Schurken nach.

Nachdem er eine bestimmte Strecke zurückgelegt hatte, hielt ihn der zweite Schurke auf.

Der Man verbeugte sich und tat so, als würde er ihm Ehre erweisen.

Dann sagte er: "Heiliger Mann! Warum trägst du einen Hund auf deinen Schultern?"

Diesmal war der einfältige Brahmane so erstaunt, dass er die Ziege absetzte und sie mit forschenden Blicken ansah, um festzustellen, was es war.

Zufrieden damit, dass es tatsächlich eine Ziege war, warf er sie sich wieder über die Schulter und begann schnell nachhause zu laufen.

Aber in seinen Gedanken herrschte Unfrieden. Während er nachhause rannte, dachte er immer noch über den Vorfall nach.

Da grüßte ihn der dritte Schurke.

"Heiliger Mann!" rief er aus. "Was ist das? Warum musst du einen Hund, ein so unreines Tier, auf deinen Schultern tragen?"

Das war es! Der Brahmane war überzeugt, dass er einen furchtbaren Fehler gemacht hatte. Er warf unverzüglich die Ziege von seinen Schultern ab und rannte davon, so schnell er konnte.

Die drei Schurken ergriffen die Ziege, kicherten vor Zufriedenheit und sagten zu sich: "Es lohnt sich nicht, ein Einfaltspinsel wie der Brahmane zu sein. Man muss sich selbst vertrauen."





27. DIE GESCHICHTE VON EINEM LÖWEN, EINER KRÄHE, EINEM TIGER, EINEM SCHAKAL UND EINEM KAMEL


In einem Wald lebte einst ein Löwe namens Madotkata. Seine Anhänger waren eine Krähe, ein Tiger und ein Schakal.


Eines Tages, wie sie so hin und her wanderten, sahen sie ein Kamel, das von seiner Herde weggelaufen war.

Sie befreundeten das Kamel und führten es zu Madotkata, ihrem König.

Der König versicherte dem Kamel, dass sein Leben nicht in Gefahr sei. Er nannte es ‚Chitra Karna', was so viel wie ‚gefleckte Ohren' heißt, und lud es ein, bei ihnen zu bleiben.

So ging einige Zeit vorbei.

Eines Tages wurde der Löwe krank.

An diesem Tag regnete es auch noch heftig, was es für die Tiere schwierig machte, etwas zu essen zu beschaffen. Darum waren sie sehr besorgt.

Sie besprachen die Sache und sagten: "Lasst uns den Löwen dazu bringen, dass er das Kamel tötet. Wozu nützt uns das Kamel überhaupt?"

"Der Löwe hat dem Kamel Sicherheit versprochen. Wie könnten wir also das Kamel töten?" sagte der Tiger.

"Unser Meister verhungert. Da macht es ihm vielleicht nichts aus, sein Wort zu brechen und das Kamel zu töten, auch wenn es eine Sünde darstellt," sagte die Krähe.




So gingen sie alle zum Löwen.

"Habt ihr irgendetwas zu fressen finden können?" fragte der Löwe.

"Eure Majestät!" sagten sie. "Trotz unserer größten Anstrengungen konnten wir nichts finden."

"Wie können wir ohne Fressen leben?" fragte der König.

"Ihr habt Fressen zur Verfügung, aber ihr werdet es nicht fressen," sagte die Krähe.

"Was für Fressen?" fragte der Löwe.

Die Krähe flüsterte ihm ins Ohr: "Chitra Karna, das Kamel."

"Gott behüte! Wir haben ihm versichert, dass sein Leben sicher ist." antwortete der König. "Wie könnten wir es töten?"

"Wir müssen es nicht töten. Wir werden es so einrichten, dass das Kamel seinen Körper aus seinem eigenen freien Willen anbieten wird," antwortete die Krähe.

Als der Löwe dies hörte, verstummte er.

Die Krähe dachte nach und heckte einen Plan aus. Im rechten Moment gingen die Krähe, der Tiger und der Schakal zum Löwen.

"Meister! Wir haben noch kein Fressen finden können, und sogar ihr verhungert. Also bitte fresst mich!" sagte die Krähe.

"Freund, es ist besser zu sterben, als eine so sündige Tat zu begehen", erwiderte der Löwe.

"Euer Hoheit! Warum esst Ihr nicht mein Fleisch, damit Ihr am Leben bleiben könnt?" fragte der Schakal.

"Ganz sicher nicht!", antwortete der Löwe.

"Oh König, bitte bedient Euch an meinem Fleisch," bat der Tiger. "Das werde ich nie tun," erwiderte der Löwe.

Das Kamel, das zugehört hatte, fühlte sich sicher wegen des Versprechen des Königs über seine Sicherheit und sagte ernst: "Eure Majestät! Bitte erlaubt mir, Euch meinen Körper anzubieten."

Kaum hatte das Kamel das gesagt, da sprang der Tiger auf es und riss es in Stücke. Die drei Anhänger und der König hatten ein herzhaftes Mahl und labten sich an dem armen Kamel.

Der Weise sagt : "Narren sind leichte Beute für Schurken."





28. DIE GESCHICHTE VON EINER BÖSEN SCHLANGE UND DEM DUMMEN KÖNIG DER FRÖSCHE


Vor langer Zeit lebte eine alte Schlange namens Mandavisha in einem üppig bewachsenen Garten.

Sie war so alt geworden, dass sie ihr Fressen nicht mehr selbst jagen konnte.

Eines Tages, als sie sich am Ufer eines Teiches ausruhte, sah ein Frosch sie.


Aus sicherer Entfernung fragte er: "Warum jagst du nicht dein Fressen?"

"Oh Freund! Bitte lass mich allein. Warum jemanden quälen, der vom Lebensglück verlassen worden ist?" antwortete die Schlange.

Die Neugier des Frosches war geweckt und er sagte: "Bitte, erzähl mir dein Problem."

Die Schlange antwortete: "Freund, einmal biss ich den Sohn eines Brahmanen namens Kaundinya, in der Stadt Brahmapura.

Er war ein feiner und begabter Knabe. Als der Vater seinen Sohn tot sah, wurde er ohnmächtig. Seine Verwandten versuchten, ihn wieder aufzuwecken.

Als der Brahmane wieder zu sich kam, sagte er: "Ich entsage meiner Arbeit und allen weltlichen Zielen; ich werde mich in den Wald zurückziehen und meditieren." Dann verfluchte er mich: "Von heute an werden die Frösche dich als Transportmittel verwenden und auf dir reiten.

Also warte ich auf Frösche, die auf mir reiten."

Der Frosch, der der Schlange zugehört hatte, ging zu Jalapada, dem König der Frösche, und erzählte ihm von der verfluchten Schlange.

Der König der Frösche ging zu Mandavisha, der Schlange, und hüpfte auf ihren Rücken. Die Schlange trug ihn hin und her, was ihm gefiel.

Am folgenden Tag tat die Schlange so, als könne sie sich nicht bewegen.

Der König der Frösche fragte sie: "Warum kriechst du so langsam heute?" "Oh, ich hatte nichts zu fressen" sagte die Schlange.

"Nun, von heute an lasse ich dich die Frösche aus meinem Königreich fressen", sagte der König.

"Mein Herr, ich nehme euer Angebot an." sagte die Schlange bescheiden.

Im Laufe der Zeit fraß die Schlange alle Frösche, einen nach dem anderen, auf und schließlich auch den König der Frösche.

Als der König an der Reihe war dachte er bitter : "Was für ein Dummkopf ich war, dass ich mich von einem solchen Schurken täuschen ließ."




29. DIE GESCHICHTE VON EINEM VOREILIGEN BRAHMANEN UND EINEM TREUEN MUNGO


In der Stadt Ujjain lebte einst ein Brahmane namens Madhava.


Eines Tages ging seine Frau ein Bad zu nehmen, und ließ ihren Sohn, der noch ein Säugling war, in seiner Obhut.

In der Zwischenzeit erhielt der Brahmane eine Einladung vom König, in den Palast zu kommen, um Geschenke entgegenzunehmen. Es war ein Feiertag.

Der Brahmane, der sehr arm war, dachte bei sich: "Wenn ich nicht sofort zum Palast des Königs gehe, dann wird ein anderer Brahmane die Geschenke bekommen.

Ich sollte mich besser beeilen. Aber es gibt niemanden, der auf meinen Sohn aufpassen könnte. Was soll ich nur tun?"

Er beobachtete sein Haustier, einen Mungo, und dachte: "Dieser Mungo ist wie mein eigener Sohn groß geworden, ich glaube, ich werde mein Kind in seiner Obhut lassen, während ich weg bin."

Dann ging er zum Palast des Königs.

Während der Mungo über das Kind wachte, sah er eine Schlange, die auf den Jungen zukroch. Er sprang auf die Schlange zu und tötete sie.

Als der Brahmane zurückkehrte, eilte der Mungo nach draußen, um seinen Meister zu begrüßen und rollte sich zu seinen Füßen zusammen.

Als der Brahmane das blutverschmierte Gesicht des Mungos bemerkte, dachte er: "Gott im Himmel, er hat meinen Sohn getötet."

Ohne weiter nachzudenken tötete er den Mungo.

Als der Brahmane hineinging, fand er seinen Sohn lebendig, wie er tief und fest schlief. Daneben lag eine tote Schlange auf dem Fußboden.

Dem Brahmanen dämmerte die Selbstlosigkeit des Mungos und er fühlte sich elend ob dessen, was er getan hatte.

Voller Reue dachte er : "Wie wahr, was man sagt: Wer in Eile handelt, bereut es hinterher ewig."


 
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